Der Himmel kann hier beginnen

Zu derselben Stunde traten die Jünger zu Jesus und fragten: Wer ist doch der Größte im Himmelreich? Jesus rief ein Kind zu sich und stellte es mitten unter sie und sprach: Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen. Wer nun sich selbst erniedrigt und wird wie dies Kind, der ist der Größte im Himmelreich. Matthäus 18, 1-4.

In diesen Tagen las ich eine Geschichte über Amdorf in Ostfriesland. Vor vielen Jahren brütete hier noch jährlich ein Storchenpaar. Weil diese herrlichen Vögel recht selten waren, wartete man im Frühjahr gespannt auf die Heimkehr des Storchenpaares aus Afrika, beobachtete und registrierte genau, ob das Nest wieder angenommen wurde und die Brut durchkam. Im nächsten Jahr waren sie wieder gekommen. Mit viel Fleiß war das Nest wieder ausgebessert und das erste Ei war gelegt worden. Die Amdorfer waren zunächst hoch erfreut, bis sie die Ankunft eines weiteren Storchenmännchens registrierten. Die Freude über den dritten Storch war allerdings nur kurz: Zu ihrem Entsetzen mussten die Leute feststellen, dass von nun an Streit eingekehrt war bei Storchens und darüber das Brutgeschäft übel vernachlässigt wurde.

Tag für Tag bekriegten sich die Männchen, dass die Federn nur so flogen. Das Weibchen hatte irgendwann aufgehört, sich um Nest und Ei zu kümmern und saß teilnahmslos auf dem Dach des Nachbarhauses. Selbst wenn man eines der Männchen abgeschossen hätte, was aber nicht erlaubt wurde, wäre eine erfolgreiche Brut in dem Jahr sowieso nicht mehr gelungen. Jeder wollte der Größte sein – und für die „Storchengemeinde“ war nur Schaden entstanden und das nur, weil man über den anderen herrschen wollte. In unseren Beziehungen spielt die Machtfrage eine wichtige Rolle. Man möchte anerkannt sein, geehrt und geachtet werden. Man besteht auf seinem gebührenden Platz in der Gesellschaft und sagt: Ich habe mehr geleistet, als die anderen. Ich weiß es besser, weil ich studiert habe. Ich bin älter und habe mehr Erfahrung. Ich bin hier unverzichtbar, und wenn ich es nicht in die Hand nehme, wird nichts daraus. Das Resultat davon? Sagen wir es mit dem Storchenpaar: Weil ständig gestritten wird, gehen alle leer aus. Alle Arbeit ist umsonst.

Im Alltag kann das bedeuten, dass Ehen zerbrechen und die Kinder wie kleine Vögel aus dem Nest fallen und ein Opfer der Straße werden. Es kann bedeuten, dass Menschen sich gegenseitig verletzen und sogar Gemeinden zerbrechen. In der Politik kann es bedeuten, dass Parteien übereinander herfallen und sich gegenseitig zerfleischen und so dem Volk großer Schaden zugefügt wird.

Was würde Jesus uns raten? Er rief ein Kind zu sich und stellte es mitten unter sie und sagte: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen. Wer nun sich selbst erniedrigt und wird wie dies Kind, der ist der Größte im Himmelreich. Satan ist deshalb zum Inbegriff alles Bösen geworden, weil er stolz ist. So ist Demut der einzige Weg, wenn Gott sich auf unsere Seite stellen soll und wir in einer rauen Gesellschaft unbeschadet überleben wollen. Jesus konnte das. Er sagt nicht umsonst: Ich bin von Herzen demütig. Ein Demütiger ist kein Feigling, der vor anderen am Boden kriecht. Im Gegenteil. Er übt den aufrechten Gang und widersteht dem Bösen mit geistlichen Waffen. Er will nicht Recht haben, aber Rechtes tun. Er kann verzichten und ist bereit, alles zu tun, wenn es um Beziehungen geht, denn gute Beziehungen können schon hier zum Himmel auf Erden werden.