Dein König kommt

Sagt dem Volk, das auf dem Zion wohnt, auf der Höhe von Jerusalem: Gib acht, dein König kommt! Er kommt ohne Gepränge. Er kommt, um Frieden zu bringen. Er reitet auf einem Esel und auf dem Füllen des Lasttieres. Matthäus 21, 5

Wenn ein König sich seinem Volk zeigen will oder ein fremdes Land besucht, ist das ein medienwirksamer Auftritt. Dann sind die Kameras überall dabei und an Kommentaren fehlt es nicht. Wir alle kennen solche Ereignisse und das Volk spricht noch lange darüber Ein ähnliches Ereignis war im Jahr 1869 der Besuch von Kronprinz Friedrich Wilhelm in Jerusalem. Hoch zu Ross, gefolgt von der Prominenz des Landes und viel Pomp zog er ein, um die Erlöserkirche einzuweihen. Da jedoch die Tore für den hohen Gast zu niedrig waren, war man bereit, sogar Mauerteile der Stadt einzureißen oder ihm das Osttor zu öffnen, damit Majestät sich nicht zu bücken brauche.

Jesus, der König aller Könige, zog ebenfalls in Jerusalem ein, aber da war alles anders. Statt hoch zu Ross über rote Teppiche zu reiten, wählte er einen kleinen grauen Esel. Statt von Würdenträgern begleitet zu werden, folgten ihm seine Jünger und einfache Menschen von der Straße. Statt große Reden zu hören, jubelten ihm die kleinen Kinder im Tempel zu und riefen: Hosianna, dem Sohn Davids. Statt Geschenke zu empfangen, heilte er ihre Blinden, Lahmen und Kranken. Statt sich über seinen Einzug zu freuen, schmiedeten die Geistlichen Mordpläne. Wäre Jesus eine große Armee Soldaten gefolgt, ausgerüstet mit Waffen, um gegen die Besatzung der Römer zu kämpfen, wäre der Jubel groß gewesen. Ebenso groß wäre der Jubel, wenn er sich nach der Speisung der Fünftausend zum König hätte ausrufen lassen. Aber er versteckte sich. Joh. 6, 15.

Einen König, der ihnen politische Unabhängigkeit bringen oder der sich ihrer sozialen Probleme annehmen würde, den wollten sie, aber keinen der sagt: Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch helfen. Matth. 11, 28.

Das hat sich bis heute nicht geändert. Ist es nicht der graue Esel, über den man sich geärgert hat, dann ist es der Mann mit dem Kreuz, der sein Leben für andere gab. Paulus schreibt nicht umsonst: Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren gehen; uns aber, die wir selig werden, ist es eine Gotteskraft. 1. Kor. 1, 18.

Die Botschaft von einer stellvertretenden Erlösung klingt einfach zu banal angesichts der unzähligen Probleme in der Gesellschaft, der Politik oder auch der ganz persönlichen. Soll dieser Jesus wirklich die Antwort sein? Wozu haben wir gute Politiker und Programme, oder großartige Fortschritte in der Medizin oder im Sozialwesen – das ist genug. Heißt nicht unser Glaubenbekenntnis: „Ich glaube an mich selbst und an die Machbarkeit aller Dinge?“

Bei allem Fortschritt ist der Mensch nicht glücklicher geworden. Woran das liegt? Weil er Bedürfnisse hat, die er mit Geld nicht stillen kann, – nach Liebe zum Beispiel, oder nach Vergebung und Gerechtigkeit, oder einer Hoffnung, die über den Tod hinausgeht. Deshalb will dieser König auch zu uns kommen. Öffnen wir ihm die Türen und lassen ihn ein.