Müde geworden

Nun es aber an dich kommt, wirst du weich, und nun es dich trifft, erschrickst du. Hiob 4, 5

Hiob war ein gefragter Mann. Seine Worte galten etwas und jeder hörte gerne auf seinen Rat. Jetzt aber war er am Ende seiner Kraft. Wie aus heiterem Himmel hatte das Leid zugeschlagen und ihm alles genommen, was ihm etwas wert gewesen war. Jetzt krümmte er sich wie ein Wurm und wünschte sich den Tod. Seine Freunde waren herbeigeeilt, um ihn zu trösten. Eliphas ergriff als Erster das Wort: Nun es aber an dich kommt, wirst du weich, und nun es dich trifft, erschrickst du.

Nicht jedem von uns ergeht es wie Hiob, aber eines ist sicher: Jeder kommt einmal an einen Punkt, wo auch er müde ist und aussteigen möchte. Sicher steht nicht umsonst geschrieben, dass Männer müde werden und Jünglinge straucheln und fallen. Jes. 40, 30 Als ich eines Tages das Buch von David Wilkerson mit dem Titel „Müde geworden, was nun?“ in die Hände bekam, weckte es nicht unbedingt Sympathien bei mir. Viel lieber mag ich Bücher mit Titeln wie: „Es gibt eine Lösung für jedes Problem“ oder „Entdecke deine Möglichkeiten“.

Inzwischen sind die Jahre durchs Land gezogen und das Leben hat auch bei mir seine Spuren hinterlassen. Heute spricht mich der Titel schon eher an. Wenn du mich fragen würdest, ob ich schon mal müde geworden bin, muss ich mit Ja antworten. Es ist keine leichte Aufgabe ein geistliches Amt zu bekleiden und eine Gemeinde zu führen. Besonders dann wird es schwierig, wenn man sie von einem Vorgänger übernommen hat, der seine Sache gut gemacht hat. Nicht jeder mag den neuen Pastor; er ist anders als sein Vorgänger. Möchte er dann auch noch etwas verändern, wird es besonders problematisch. Niemand möchte neue Strukturen oder Wege gehen, die er nicht kennt. Dazu werden seine Predigten unter die Lupe genommen; seine Frau und die Kinder rücken ebenfalls ins Visier. Eine Zeit lang mag er das ertragen können, aber ist es verwunderlich, wenn dann irgendwann der Zeitpunkt kommt, wo er anfängt zu resignieren oder sagt, dass er müde sei?

Es stimmt, Männer und Frauen können müde werden und besonders dann, wenn sie an Menschen arbeiten. Selten werden ihre Bemühungen gewürdigt oder die Arbeit wird ihnen nicht leicht gemacht. Dann kann es ihnen ergehen wie Hiob. Obwohl er Trost und Zuspruch dringend gebraucht hätte, tadelt ihn ein Eliphas und zieht ihm mit seiner Kritik den Boden unter den Füßen weg. Jeder möchte gerne auf der Sonnenseite leben. Siege und Erfolge bestätigen dann unseren Dienst und stärken das Selbstvertrauen. Wachsen und reifen werden wir aber erst durch Ereignisse, die uns  nicht gefallen. Hiob war nach überstandener Trübsal ein anderer Mann geworden. Offenbar gibt es nichts, was unser Leben so nachhaltig formen und verändern kann wie Leid und Schmerz. Ich möchte hier keine Durchhalteparolen geben. Es gibt wirklich Situationen, wo wir uns selbst nicht mehr helfen können, dann muss Gott eingreifen und alles zum Guten wenden. Bei Hiob war das der Fall. Das mag der Grund dafür sein, dass Gott uns dieses Buch mit 47 Kapiteln schenkte. Paulus sagt: Denn unsere Trübsal, die zeitlich und leicht ist, schafft eine ewige und über alle Maßen wichtige Herrlichkeit uns, die wir nicht sehen auf das Sichtbare. 2. Kor. 4, 17-18.

Es wäre schade, wenn du in deiner Situation die falsche Entscheidung treffen würdest. Genau das will aber der Feind erreichen, gib ihm deshalb keine Chance.