Wenn Vergebung schwer fällt

Vergib doch deinen Brüdern die Missetat und ihre Sünden, dass sie so übel an dir getan haben. Nun vergib doch diese Missetat uns, den Dienern des Gottes deines Vaters! Aber Joseph weinte, als sie solches zu ihm sagten. 1. Mose 50, 17

Joseph war großes Leid geschehen. Bei einer günstigen Gelegenheit hatten seine Brüder, einfach aus einer üblen Laune heraus, ihren Bruder an vorüber ziehende Händler verkauft und das Geld eingesteckt und so getan, als sei nichts geschehen. Ihren Vater belogen sie und sagten, ein wildes Tier habe ihn gefressen. Als der Vater vor Gram fast zu sterben drohte, wagten sie es, ihn mit billigen Lügen zu trösten. Die Jahre vergingen, aus Joseph wurde ein angesehener Staatsmann in Ägypten. Etwa dreißig Jahre später standen seine Brüder erneut vor ihm und baten ihn um Vergebung für ihre böse Tat. Joseph weinte und willigte freudig ein und sagte: Zwar gedachtet ihr mir Böses zu tun, aber Gott hat es zum Guten gewendet, um das auszuführen, was jetzt klar zu Tage liegt, nämlich um viele Menschen am Leben zu erhalten.

Es kommt im Leben immer mal vor, dass uns Unrecht angetan wird und das nicht selten sogar mit schweren Folgen. Dann tragen wir viele Jahre tiefen Schmerz mit uns herum. Das Leben scheint zerstört zu sein und die Übeltäter tun so, als sei nichts geschehen. Dann kommt eine Stunde, wo das Schicksal sich wendet und das schlechte Gewissen überführt und drängt, sich dafür zu entschuldigen. Dann steht der Übeltäter plötzlich vor uns und in uns werden alte Geschichten und der unsagbare Schmerz wieder lebendig. Das Herz schnürt sich zusammen und wir möchte uns abwenden. – Wie kann man so einem Schuft vergeben, fragen wir uns, wie kann man mit einem Wort alles das wegwischen, was viele Jahre Schmerz und Leid verursacht hatte. – Wie?

Joseph konnte es.

Er ergreift die ausgestreckte Hand und spricht Vergebung aus. Da steht einem der Atem still, wenn man so etwas liest. Jesus geht auf diesen Gedanken ein wenn Er sagt, dass wir sogar sieben mal siebzig Mal vergeben sollen, wenn man uns darum bittet. Matth. 18, 21-22. Warum stellt Jesus eine solche Forderung? Grenzt das nicht an seelische Grausamkeit? Zunächst wollen wir bedenken, dass Gott uns ebenfalls vergeben hat, egal, was wir getan haben. Dazu hat Er uns seinen Geist gegeben der uns befähigt, ebenso zu handeln. Ein wahrer Christ hat die innere Größe dazu, ganz so wie sein Meister. Dazu kommt noch ein weiterer wichtiger Gedanke. Wer nicht zur Vergebung bereit ist, muss bis in den Tod mit dem Unrecht leben, das ihm zugefügt wurde.

Mit andern Worten: Wir beschmutzen uns fortwährend mit Sünden, die wir nicht begangen haben. Das hat unweigerlich Folgen. Jede Art von Unrecht benutzt der Feind um Menschen damit zu quälen. Der innere Schmerz verursacht Wunden, die Hass erzeugen und ein Leben zerstören können. Menschen, die hassen, werden innerlich hart und unnahbar. Wer aber bereit ist zu vergeben, lässt das Unrecht los; er tut es von sich und übergibt es Gott. Damit lässt er den Schuldner frei und befreit sich selbst.

Wenn Gott sagt, dass Er uns nicht vergeben will, wenn wir anderen nicht vergeben, liegt darin der Grund. Gott kann nicht vergeben, weil wir uns am Unrecht festhalten. So müssen wir Gott die Gelegenheit zur Vergebung geben.

Zeige Größe und vergib denen, die dir Unrecht zugefügt haben und Gott wird alles zum Guten wenden. Audio