Die bittere Wurzel

Achtet darauf, dass nicht jemand Gottes Gnade versäumt, so dass nicht etwa eine bittere Wurzel in ihm aufwachse. Hebräer 12, 15

Unter allen Gewächsen gibt es solche, die in die Kategorie „giftig“ eingestuft werden. Schon oft lasen wir, dass Kinder durch den Genuss von Tollkirschen erkrankt waren und die Hilfe des Arztes brauchten. Ebensolche Pflanzen gibt es unter den Pilzen. Eine der gefährlichsten Sorten ist der Knollenblätterpilz. Der Genuss dieses Pilzes ist tödlich. Die Indianer Südamerikas benutzen das Curare, das aus der Rinde der Strychnos gewonnen wird. Dieses Gift hat lähmende Wirkung. Die Bibel spricht ebenfalls von einer Pflanze, deren Gift sich im Herzen festsetzen kann und das Leben mit Bitterkeit erfüllt. In der Regel wächst sie da, wo Enttäuschungen und Verletzungen stattgefunden haben.

Ein trauriges Beispiel gibt uns das Volk Israel in der Wüste. Gerade waren die Israeliten durch das Rote Meer gezogen und hatten die Wunder Gottes erlebt, als sie die Wüste betraten und ihnen das Trinkwasser ausging.

Einer der Späher hatte nach langem Suchen endlich eine Wasserstelle entdeckt. Freudig winkte er und zeigte die Richtung. Mit letzter Kraft erreichten sie das ersehnte Nass und begannen zu trinken. Aber oh Schreck, das Wasser war ungenießbar. – Unfassbar! Die Enttäuschung war riesengroß. Plötzlich war die große Frage: Was ist das für ein Gott, der so etwas zulässt? Hat Er uns hierher geführt, um uns verdursten zu lassen?

Jemand wird seinen Jammer laut heraus geschrien und gesagt haben: „Gott ist brutal!“ Mose war erschüttert. Gebeugt vor Schmerz wandte er sich an Gott und flehte um Gnade für das murrende Volk. Da zeigte ihm der Herr ein Holz und sagte: „Wirf es ins Wasser und sieh, was geschieht.“ Mose gehorchte, und im selben Augenblick war das Wasser genießbar. Zur Erinnerung an ihren Groll nannte Mose diesen Ort „Mara“. Das bedeutet Bitterkeit. 2. Mos. 15, 22-26.

Dieser Bericht zeigt, dass es Situationen geben kann, in denen sich Menschen von Gott getäuscht fühlen. Ihr Leben verläuft anders, als sie es sich vorgestellt haben. Vielleicht haben sie sogar schon voller Freude erzählt, wie gut Gott es mit ihnen meint und alle ihre Wünsche erfüllt. Unverhofft wendet sich das Schicksal. Die Ehe zerbricht, ein Angehöriger wird hinweg gerissen oder die Gemeinde lehnt den Pastor ab und er muss gehen. – Schöne Träume – in einem Augenblick zerbrochen. Das große Schweigen beginnt. Der Himmel scheint wie verschlossen und die Kehle ist zugeschnürt, wenn man betet. Die Gedanken sind verwirrt und man schämt sich, Menschen zu begegnen. Vielleicht fragen liebe Freunde mit verstecktem Hohn, wo der liebende Gott denn gewesen sei, als das passierte. Beißende Kritik trifft ein verwundetes Herz und die Gefahr besteht, Bitterkeit aufkommen zu lassen.

Weil ich solche Situationen erlebt habe, hier meinen Rat: Steh ehrlich zu deinem Schmerz und sprich dich mit jemandem aus, der für dich beten kann. Wirf dein Vertrauen trotzdem nicht weg, du wirst am Ende deinen Groll bereuen müssen. Du wirst sehen, dass Gott dir näher ist, als du denkst. Bedenke: Kostbare Diamanten entstehen aus gewöhnlicher Kohle. Der Druck hat es möglich gemacht.