Zwei Gesichter

Wer einen Menschen zurechtweist, wird zuletzt Dank haben, mehr als der da heuchelt und freundlich tut. Sprüche 28, 23

Das hebräische Wort für Gesicht heißt: „Panim“. Alle Endungen mit “-nim“ stehen für die Mehrzahl. So gibt es das menschliche Gesicht nur in der Mehrzahl. Der Mensch hat in Gottes Augen mehrere Gesichter; er hat eine private und eine öffentliche Meinung. Hier liegt die Möglichkeit der Täuschung, der Heuchelei, der Irreführung. Er gleicht einem Ruderer, der in die eine Richtung schaut und in die andere fährt.

Es ist schwer, immer die Wahrheit offen auszusprechen, besonders dann, wenn andere zurechtgewiesen werden müssen. Man reagiert mit Entschuldigungen oder spielt den Beleidigten und eine Beziehung oder Nachbarschaft kann schwer belastet werden oder sogar zerbrechen. Nicht selten kommt es sogar zur Verfolgung. So werden lieber gute Worte erfunden und sogar Lob ausgesprochen, nur um die Gunst bei anderen nicht zu verlieren.

Heuchelei ist zu einem Lebensstil geworden, der die ganze Gesellschaft durchdrungen hat. Damit der Politiker keine Wählerstimmen verliert, verherrlicht er einen toleranten Lebensstil und macht Bücklinge vor der Unmoral – allerdings nur solange, bis es ihn persönlich getroffen hat.

Jesus geht mit den Heuchlern gnadenlos ins Gericht. Er nennt sie Würdebonzen, Theaterheilige, lebende Hindernisse oder Schlangenbrut. Matth. 23. Gauner und Betrüger hüllen sich in Kutten, beten wie Engel und sind Wölfe im Schafspelz. Sie sagen „liebe Gemeinde“, – meinen aber sich selbst. Sie lieben nicht die Schafe, sie denken nur an die Wolle.

Hüte dich vor Menschen, die dich mit holdseligen Worten überschütten. Harte Kritik in Wahrheit ist besser, als einen Zentner Lob in Falschheit. Gott gab dem Menschen nur ein Herz und eine Zunge. Das hat einen wichtigen Grund.  Jeder soll mit einem ungeteilten Herzen leben und sein Mund soll ein Quell der Wahrheit sein und nicht auch der Lüge und Heuchelei.

Mit aufrechtem Gang soll er beweisen, dass er nach dem Bilde Gottes geschaffen wurde. Ein „Antropos“ soll er sein, ein Wesen mit aufrechtem Gang. Menschen mit zwei Gesichtern sind gespaltene Persönlichkeiten. Das ist auch der Grund, weshalb so viele seelisch erkrankt sind und beim Psychiater zu Dauerpatienten geworden sind. Heuchler brüllen wie Löwen, wenn es ihnen von Nutzen erscheint. Sie heulen wie Wölfe, wenn es nach Beute riecht und blöken wie ein Schaf, wenn es um Religion geht.

Heuchler können springen wie Hirsche, wenn sie einen Vorteil erspähen und kriechen wie ein Wurm, wenn sie Reue zeigen wollen. Heuchler können singen wie eine Nachtigall, wenn es gilt, Aufmerksamkeit zu erhaschen und krähen wie Raben, wenn andere dasselbe tun.

Achten wir auf die Qualität unseres Hirtendienstes. Wer ständig tadelt und alles moralisiert und hinter jeder Wand einen Teufel vermutet, verunsichert seine Zuhörer und zwingt sie zur Heuchelei. Gesundes Christsein entwickelt sich in einer Atmosphäre von Liebe, Annahme und Vergebung. Wer über seine Fehler sprechen darf, hat die Chance, sie zu überwinden. Audio