Ohne Beschneidung keine Frucht

Alle Reben am Weinstock, die keine Trauben tragen, schneidet er ab. Aber die Frucht tragenden Reben beschneidet er sorgfältig, damit sie noch mehr Frucht bringen. Johannes 15, 2

In der Nähe unserer Wohnung befand sich ein Weinberg. Gerne gingen wir hier spazieren und  freuten uns über die vielen fast reifen Trauben. Bald waren sie geerntet und der Winter zog durchs Land. Der folgende Frühling aber brachte dann neue Aktivitäten.

Jetzt erschien der Besitzer, aber nicht mit Körben, sondern mit dem Messer. Mit geübter Hand begann er, fast alle Ranken zu entfernen. Ich fragte, warum er so gnadenlos mit den Weinstöcken umgehen würde. Der Winzer lachte. „Alles was ich hier tue dient dem Weinstock und seiner zukünftigen Frucht“, sagt er. „Würde ich sie nicht beschneiden, würde sich der Saft in den vielen Ranken verlieren und es gäbe nur wenig Frucht. So belasse ich jedem Weinstock nur drei und der Saft kann in sie hineinfließen und gute Frucht hervorbringen.“ – Ich bedankte mich für die aufschlussreiche Predigt und ging.

Gott vergleicht uns Menschen mit einem Weinstock. Das hat einen wichtigen Grund. Von allen Kreaturen ist der Mensch das einzige Wesen, das erzogen werden muß, wenn es nicht verwildern soll. So ist es unverzichtbar, die heranwachsenden Kinder nach gesunden Prinzipien zu erziehen. Wird der Nachwuchs vernachlässigt, ist das ein Beitrag, eine ganze Nation allmählich aus den Fugen geraten zu lassen, so dass ein ganzes Volk unregierbar wird.

Wenn Gott uns angenommen hat, beginnt Er mit der Erziehung Seiner Kinder. Auf diese Wahrheit macht Jesus im obigen Vers aufmerksam, wenn Er von einer Beschneidung spricht. Einen solchen Prozess erlebt jeder Christ, der treu seinem Herrn nachfolgt. Nachdem Jesus von uns Besitz ergriffen hat, geraten viele Wünsche und Gewohnheiten in einen Konflikt. Gedanken von Gott erfüllen jetzt das Herz. Ein neues Leben mit neuen Gedanken und Gewohnheiten soll beginnen. Aber was geschieht?

Der Ungeduldige, der alles immer sofort haben wollte, muss jetzt das Warten lernen, weil bei Gott die Uhren anders gehen. Der Furchtsame, der sich ständig hinter Ausreden verschanzte, muß sich jetzt der Herausforderung stellen und kämpfen lernen.

Der um Worte nie verlegen war, muss jetzt lernen, mit seiner Zunge vorsichtig zu sein damit er niemandem Schaden zufügt. Der Geizige muss jetzt lernen, von seinem Besitz abzugeben. Der Empfindliche muss jetzt lernen, sich von seiner Empfindlichkeit zu trennen und Vergebung praktizieren.

So gibt es einen ganzen Katalog von Dingen und Gewohnheiten, die unbedingt verändert werden müssen, wenn wir ein fruchtbares Leben mit Jesus leben wollen. Gott hilft uns. Beschneidung kann durch Menschen oder Umstände geschehen. Die Mittel, die Gott gebraucht, gleichen dem Messer des Winzers. Es geht nicht ohne Schmerzen. Deshalb heißt es: Mein Sohn, achte nicht gering die Züchtigung des Herrn und verzage nicht, wenn du von ihm gestraft wirst. Denn welchen der Herr lieb hat, den züchtigt er, und er straft einen jeglichen Sohn, den er aufnimmt. Hebr. 12, 5-6.

Denke daran: Frucht ist nicht machbar, aber wir dürfen ihr die Gelegenheit geben, in uns wachsen zu können. Darum nimm die Erziehung an, sie kommt von Gott.