Dienen statt verdienen

Und Jesus wusste, dass ihm der Vater hatte alles in seine Hände gegeben und dass er von Gott gekommen war und zu Gott ging, da stand er vom Abendmahl auf, legte seine Kleider ab und nahm einen Schurz und umgürtete sich. Danach goss er Wasser in ein Becken, hob an, den Jüngern die Füße zu waschen, und trocknete sie mit dem Schurz, mit dem er umgürtet war. Johannes 13, 3-5

Ich kann ein dienendes Herz daran erkennen wie ich reagiere, wenn andere mich wie einen Diener behandeln. Wie reagieren wir, wenn man uns etwas befiehlt zu tun, das nach unserem Ermessen unter unserer Würde ist? Wie schnell meldet sich dann der Stolz und der Widerwille; wie schnell knirschen wir mit den Zähnen. Jesus wusste, wer er war. Er wusste um seine hohe Position. Der Vater hatte ihm alle Macht im Himmel und auf Erden übertragen. Jesus wusste um seine Stellung zu Gott, und dass er in Kürze zu seinem Vater zurückkehren würde. So legte er sein Obergewand ab, band sich einen Schurz um die Lenden, füllte die Schüssel mit Wasser, kniete sich nieder und begann zwölf Männern die Füße zu waschen. Er tat das unbesorgt und gerne. Er wusste, dass das seinem Image keinen Abbruch tun würde.

Jesus hat uns mit seiner Tat ein Beispiel gegeben: „So sollt ihr euch untereinander auch die Füße waschen.“ Mit anderen Worten: „Ihr seid dann meine rechten Jünger, wenn ihr eine dienende Haltung habt.“ Wie würde es im Reich Gottes wohl aussehen, wenn jeder Christ ein Diener wäre? Wie würden unsere Gottesdienste verlaufen? Wie sähe es in unseren Ehen und Familien aus, in unserer Gesellschaft?

Ich glaube, wir hätten paradiesische Zustände. Genau das möchte Gott! Das Unglaubliche dabei ist, dass jeder sofort und ohne Qualifikation damit beginnen könnte. Warum geschieht das nicht? Einer der häufigsten Gründe ist die immer wieder gestellte Frage des Petrus: Was bekomme ich dafür? Matth. 19, 27. Dienen ja, aber nicht umsonst. So wird aus „dienen“ „verdienen“.

Eine der größten Liebestaten, die man Jesus widerfahren ließ, war seine Salbung in Bethanien. Maria nahm ein Parfüm von ungeheurem Wert und goss es auf sein Haupt. Damit hatte sie Jesus gedient und zwar mit allem, was sie besaß. Wie war die Reaktion der Jünger? Waren sie begeistert? Im Gegenteil, es hagelte Kritik. Judas rechnete nach, wie teuer das Parfüm war und empörte sich, warum man das viele Geld nicht den Armen gegeben hatte. Dann eine Randbemerkung: Das sagte er nicht aus Mitleid, er wollte das Geld für sich selbst gebrauchen. Joh. 12,6. Verdienen statt dienen!

Ein dienendes Herz können wir uns aneignen. Betrachten wir uns als Verwalter und nicht als Besitzer. Alles was wir besitzen, müssen wir eines Tages wieder aus den Händen legen. Alles aber, was wir dafür einsetzen, Menschen zu dienen, werden wir in der Ewigkeit wiederfinden. Nach Jesu Worten werden wir selbst das Glas Wasser, das wir einem Durstigen im Namen Jesu gereicht haben, in der Ewigkeit vergolten bekommen.

Dann noch etwas: Betrachten wir uns nicht als wichtig. Niemand ist wichtig, aber jeder ist wertvoll in Gottes Augen. Wer auf seinen Status bedacht ist, hat es immer schwer, sich eine Schürze umzubinden und sich zu anderen herabzulassen. Wahrhaft dienen können wir nur in gebückter Haltung.