Was wird uns dafür?

Da fing Petrus an und sprach zu Jesus: Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt; was wird uns dafür? Matthäus 19, 27

„Die Belohnung wird kommen“, antworte Jesus. „Ihr werdet mit mir auf Thronen sitzen in meiner Herrlichkeit und diesem Volk einmal das Urteil sprechen. Wer dazu irgendetwas in meinem Namen verlässt, wird es vielfältig wieder zurückbekommen und das ewige Leben dazu.“ Es gibt keine Religion, die mit solchen Verheißungen aufwartet, wie die christliche. Natürlich sind das Belohnungen, die irgendwo in der Ferne ihre Bedeutung finden werden, vielleicht erst nach dem Tode – aber die Frage des Petrus bezog sich auf das Jetzt, hier und sofort. Er hatte seine sichere Existenz aufgegeben, obwohl er eine Familie zu versorgen hatte. Er war bereit, sich in einen Kreis von Männern zu begeben, die fast ständig auf staubigen Landstraßen oder an den Stränden des Sees Genezareth unterwegs waren, die Spott und Hohn auf sich nahmen und nicht selten die Nächte im Freien zu verbringen hatten. „Was wird uns dafür?“ war sicher eine permanente Frage, die nicht nur Petrus allein bewegte. Auch Mose wird sich diese Frage gestellt haben, als er mit 600.000 Männern, dazu ihre Frauen und Kinder, in der staubigen Wüste unterwegs war. Sollte das der Lohn sein, wenn das Volk bei jeder Gelegenheit zu murren begann, nur weil ihnen die Umstände nicht behagten?

Wie einfach hätte er es haben können, wenn er am Hofe Pharaos geblieben wäre oder wenigstens bei seinem Schwiegervater und den Schafen und seiner Familie. Aber jetzt? Nichts als Undank, Intrige, Rebellion und Verdächtigungen. Jeder kennt solche Situationen und beginnt dann zu rechnen. Lohnt sich der Einsatz überhaupt? Wozu diese Schinderei? Wer gibt uns dafür einen Dank? Hätte ich es nicht viel besser haben können, wenn ich zu Hause geblieben wäre? So dachte ich auch als ich in Peru war.

Auf dem Flughafen hatte man mir den Koffer gestohlen. Da saß ich im Flugzeug und überlegte, wie ich nun im Urwald mit einer kleinen Umhängetasche zurecht kommen sollte. Wir bestiegen einen LKW und standen auf der Ladefläche und der Staub der unbefestigten Straße legte sich auf mich. Mein Gesicht und die Haare waren verstaubt und die Kleider klebten mir voll Schweiß am Leibe. Mein kleines Taschentuch musste jetzt für alles herhalten und hatte mittlerweile schon die Farbe der Landstraße angenommen. Plötzlich die Frage des Petrus: Lohnen sich dieser Aufwand und die ungeheuren Strapazen überhaupt, nur um einigen Goldwäschern das Evangelium zu predigen? Als ein kleiner Junge seine fünf Brote und zwei Fische angeboten hatte, sagte Andreas zwar: “Was ist das schon unter so vielen?“ – Es waren fünftausend, die Hunger hatten. Darauf nahm Jesus das Wenige in seine Hände und vermehrte es, so dass jeder genug zu essen bekam. Joh. 6, 1-13.

Ja, jeder Einsatz lohnt sich, sagt Jesus, besonders solche, die unter den größten Opfern geschehen – auch wenn nicht immer gleich Resultate sichtbar werden. Er lohnt sich schon deshalb, weil nach dem Gesetz von Saat und Ernte immer mehr geerntet wird, als ausgestreut wurde. So können aus einem Samenkorn Tausende werden. So wird der Zeitpunkt kommen, wo wir ernten werden ohne Aufhören. Als ich aus dem Urwald Perus zurückkehrte, erhielt ich am Flughafen sogar meinen Koffer wieder zurück…