Wenn der Hunger plagt

Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu dir. Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. Wann werde ich dahin kommen, dass ich Gottes Angesicht schaue? Psalm 42, 2-3

Flavius Josephus beschreibt in seinem Buch „Der jüdische Krieg“ den verzweifelten Kampf der Juden zur Verteidigung der Stadt Jerusalem. Nach langer Belagerung brach eine Hungersnot unter der Bevölkerung aus.

Er schreibt: „ Es gibt kein Gefühl, das den Hunger an Intensität übertrifft; und kein Gefühl bringt den Hunger so absolut zum Schweigen, wie das Gefühl für das Schreckliche. Was sonst einem noch ans Herz rührt, das lässt ihn gleichgültig, sobald er hungert. Es gab Mütter, die ihren Kindern den Bissen aus dem Mund raubten. Horden Verhungernder durchzogen die Straßen und wo es nach Essbarem roch, drangen sie in die Häuser ein und durchwühlten alles, wobei vor keiner Grausamkeit zurückgeschreckt wurde.“

Kein anderes Wesen wird von einem so großen Verlangen nach Sättigung geplagt wie der Mensch. Unterbricht er seine Beziehung zu Gott, gleicht er dem verlorenen Sohn in der Fremde. Nachdem er all sein Gut verzehrt hatte, begann ihn der Hunger zu quälen und er suchte vergebens nach Nahrung und fand sie nicht.

Lust ist Hunger der Seele. Um ihn zu stillen, ist der Mensch zu allem bereit. Die Lust auf Macht, Ehre und Reichtum hat ihn verleitet, Kriege zu führen, zu morden, zu plündern, zu vergewaltigen oder sich selber zu zerstören.

Diese Lust ist es, die Menschen in die Kaufhäuser treibt in der Hoffnung, ihr Verlangen stillen zu können. Sie ist es auch, die Jugendliche umhertreibt, immer auf der Suche nach dem heißbegehrten „Kick“. Die Lust ist es, die Aktionäre verführt, ganze Konzerne zu verkaufen in der Hoffnung, dass eine noch größere Summe Geld in ihre eigenen Taschen fließen möge. Sie heizt die Börse an und treibt Anleger dazu, unglaubliche Berge von Kapital zu verschieben oder sie zum Verkauf anzubieten. Auch hat sie Ehemänner rasend gemacht und sie zum Ehebruch verführt. Die Lust fesselt, knechtet, demütigt und zerstört. Die meisten Menschen sterben nicht an irgendeiner Krankheit, sondern daran, dass unbändige Lust ihnen das Leben geraubt hat.

Darauf nimmt Gott Bezug:  Wohlan alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser! Und die ihr kein Geld habt, kommt her, kauft und esst! Kommt her und kauft ohne Geld und umsonst Wein und Milch.  Jes. 55, 1. Wer das eigentliche Problem unserer Gesellschaft erkannt hat und ernst nimmt, wird sich Gedanken machen, was er als Nahrung anbieten will. Unterhaltung, Abwechslung oder sonstige Aktivitäten, sind kein Brot für die Seele. – Wir predigen Gottes Wort. Allein Sein Wort hat sättigende und heilende Kraft. Dazu ist es ein schöpferisches Wort und wirkt sich positiv auf das Leben aus.

Petrus sagte: „Zwar haben wir die ganze Nacht gefischt und nichts gefangen, aber auf dein Wort hin werfe ich jetzt noch einmal das Netz aus,“ und sie fingen eine große Menge Fische. Luk. 5, 1-10. Wie gut, dass er dem Wort Vertrauen schenkte. Was ihm die lange Nacht schwerer Arbeit nicht schenken konnte, bekam er jetzt gratis, und das nur, weil er die Worte Jesu ernst genommen hatte. Mache es genau so. Dann wird nicht nur der Hunger gestillt, sondern Gott wird auch zum Versorger.