In der Freude leben

Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! Philipper 4, 4

Ich hätte diesem Ausspruch keine besondere Aufmerksamkeit geschenkt, wenn im gleichen Brief nicht auch geschrieben stünde, dass Paulus sich im Gefängnis befand und offenbar dazu noch angekettet war. Ich habe mir solche Fußfesseln angesehen. Das waren keine Kettchen, wie sie Frauen oft als Zierde an ihren Fußfesseln tragen, es waren geschmiedete Ketten aus schwerem Eisen – äußerst schmerzvoll. Seine Zelle hatte weder ein Bett noch eine Decke; dazu war sie dunkel, feucht und kalt. Dann kamen die täglichen Verhöre und physischen Qualen, um Aussagen zu erpressen. Aus dieser Situation heraus schrieb Paulus seinen Brief. Kaum zu glauben, dass er, anstatt Mitleid erwecken zu wollen, sie herausfordert, sich zu freuen. Das könnte man ja fast als Fanatismus bezeichnen, wenn sich dahinter nicht ein großartiges Geheimnis verbergen würde. Freude ist das Herzstück des Evangeliums. Gott ist der Inbegriff wahrer Freude, das bekennt David in seinen Psalmen immer wieder. Jesus kam in die Welt, um uns diese Freude zu vermitteln. Du weckst lauten Jubel, du machst groß die Freude. Vor dir wird man sich freuen. Jes. 9, 2.

Als Jesus geboren wurde, erschienen die Engel den Hirten mit der Botschaft: Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus. Jesus erzählt das Gleichnis vom verlorenen Sohn, das mit den Worten gipfelt: Dieser, mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden; er war verloren und ist gefunden worden. Und sie fingen an, fröhlich zu sein. Luk. 15, 24. Dazu ist erwähnenswert, dass der Heilige Geist als Öl der Freude bezeichnet wird, mit dem jeder gesalbt wird, der sein Leben mit Gott in Ordnung bringt.

Mit Recht dürfen wir sagen, das Christen zu den glücklichsten Menschen zählen dürfen, wobei es offenbar nichts ausmacht, unter welchen Umständen sie zu leben haben. Wir sollten uns Gedanken machen, warum es so wenige Christen gibt, die ein Leben in der Freude leben.

Eigentlich geht es uns viel besser als Paulus. Eigentlich sollten wir schon deshalb zu den glücklichsten Menschen zählen. Was hindert uns? Wer den Brief des Paulus aufmerksam liest, stellt fest, dass er seinen Hörern ein Evangelium der Freude mitteilt. Er ermutigt die Anfänger im Glauben und sagt: Seid unverzagt, der, der das gute Werk in euch begonnen hat, der wird es auch vollenden. Mit anderen Worten:

Schau nicht auf deine Unvollkommenheiten, schau auf Jesus, du wirst das Ziel erreichen. Dann stellt er den Sieg Jesu in leuchtenden Farben in den Mittelpunkt. Er schreibt, dass sich vor ihm einmal alle Knie beugen werden und alle Zungen bekennen müssen, dass Jesus der Herr aller Herren ist. Zum Schluss spricht er von der zukünftigen Heimat, auf die alle mit Sehnsucht warten. Vor diesem Hintergrund ruft er auf, sich unter allen Umständen zu freuen. Freude ist eine Frucht, die der Heilige Geist in uns wachsen lassen will. Ich beginne Paulus zu verstehen und alle Märtyrer, die oft sogar singend in den Tod gegangen sind – und das geschieht in unseren Tagen fast täglich. Ich wünsche mir Gottesdienste, in denen es den Hörern leicht gemacht wird, sich an ihrem Gott zu erfreuen. Freude ist eine Lebenskraft, auf die niemand verzichten darf. Freude stärkt das geistliche Immunsystem und macht es stark und leidensfähig.