Darüber reden

Denn als ich es verschweigen wollte, verschmachteten meine Gebeine. Psalm 32, 3

Die Schwellung hatte derart zugenommen, dass sich die Haut gestrafft hatte und ein innerer Druck unerträglichen Schmerz erzeugte. Der Weg zum Arzt war unumgänglich geworden. Mit geübter Hand eröffnete er den Entzündungsherd und entfernte den Eiter. Sichtbar ging die Schwellung zurück und der Schmerz wich. Nach gründlicher Behandlung war die Heilung nur noch eine Frage der Zeit.

Es gibt Dinge im Leben, die Druck erzeugen und das Dasein ebenfalls zur Qual werden lassen können. Was bei dem einen die unbewältigte Vergangenheit ist, kann bei dem anderen die Sorge oder die Furcht vor der eigenen Zukunft sein oder es sind verborgene Süchte und Leidenschaften, die allmählich die Gesundheit zerstören. Seelischer Druck erzeugt ebenfalls Schmerz und der kann ein Leben zur Hölle machen. So gibt es viele, die bereits gestorben sind, noch ehe sie starben. Lebendig tot – und das nur, weil man den Mut nicht hatte, über sein Problem zu sprechen. David befand sich in einer schrecklichen Situation. Er hatte die Ehe gebrochen, die verheiratete Frau geschwängert, dann ihren Mann umbringen lassen und dann diese Frau geheiratet. Damit schien der Fall erledigt zu sein – wenn das Gewissen mitgemacht hätte. Aber das Gegenteil war eingetreten. Schuldgefühle bauten sich auf und hatten ihn im Würgegriff. Eigentlich hätte er mit jemandem darüber reden sollen, aber sein Ruf stand auf dem Spiel – schließlich war er der König des Landes. Was würde das Volk über ihn denken, über einen Mann, der nicht nur die Ehe bricht, sondern auch vor einem Mord nicht zurückschreckt. David war bereit, sein Problem mit ins Grab zu nehmen in der Hoffnung, dass dann alles vergessen sei – auch darüber dachte er nach. Was geschieht, wenn Gott ihn zur Rechenschaft ziehen wird?

Davids Situation wurde unerträglich und Gott sah nicht tatenlos zu. Er offenbarte einem Propheten sein Vergehen und schickte ihn zum König. David wurde überführt und begann zu sprechen. Jetzt war der Zeitpunkt gekommen, an dem das große Reinemachen stattfinden sollte. Alles musste raus, egal, was das Volk von ihm dachte. David griff zur Feder und dichtete diesen Psalm und komponierte dazu eine Melodie. Alle sollten es wissen und gewarnt werden, nicht die gleiche Dummheit zu begehen. Der Druck war gewichen und sein Herz konnte wieder lachen, auch wenn er den angerichteten Schaden damit nicht wieder gutmachen konnte. Er fand aber Gnade bei Gott und das genügte ihm. Es ist bekannt, dass mit dem Beichtstuhl in den katholischen Kirchen viel Missbrauch getrieben wurde. Dennoch konnte er vielen eine große Hilfe sein. Das Volk bekam die Möglichkeit, über seine Vergehen zu sprechen und um Vergebung zu bitten.

Es gibt kaum einen Menschen, der nicht das Bedürfnis hat, sich über Dinge auszusprechen, die ihn bedrücken. Leider wird dazu kaum noch die Gelegenheit gegeben. Wer über seine Probleme spricht, lässt Licht in eine dunkle Angelegenheit kommen. Alles, was ans Licht kommt, wird der Macht der Finsternis entrissen und damit verliert der Böse seine Herrschaft über uns.

Das hat Jakobus gemeint, wenn er schrieb: Bekennet einer dem anderen seine Sünden und betet füreinander, dass ihr gesund werdet. Das Gebet eines Gerechten vermag viel, wenn es ernstlich ist. Jak. 5, 16