Der Blick ins eigene Herz

Durchforsche mich, o Gott, und sieh mir ins Herz, prüfe meine Gedanken und Gefühle! Sieh, ob ich in Gefahr bin, dir untreu zu werden, dann hol mich zurück auf den Weg, der zum ewigen Leben führt! Psalm 139, 23-24

Eines Tages schenkte man unserer Tochter einen Wellensittich, der in ihrem Zimmer seinen Platz bekam. Es war lustig, ihm zuzuschauen, wenn er sich im Spiegel entdeckt hatte. Offenbar sah er einen Eindringling und hackte mit seinem krummen Schnabel immer wieder auf ihn ein. Dann schaute er hinter den Spiegel, um ihn dort zu finden, – wiederum vergebens. So war er den ganzen Tag mit sich selbst beschäftigt und das nur, weil es ihm an Einsicht fehlte.

Wenn es Gott gelingt, uns einen Blick in unser eigenes Herz zu schenken, suchen wir das Übel nicht mehr in den Umständen oder bei anderen Menschen, wir suchen es in uns selbst. David war heimtückisch in eine fremde Ehe eingedrungen, hatte die Frau vergewaltigt und, um alle Spuren zu verwischen, ihren Mann umbringen lassen und dann die Frau geheiratet. Damit schien für ihn der Fall erledigt zu sein, wenn nicht der Prophet Nathan zu ihm gekommen wäre, um den Fall wieder aufzurollen. David fühlte sich entdeckt, schlug sich an die Brust und tat Buße vor Gott und seinem Volk und schrieb ein Lied mit obigem Text. Lies 2. Sam. 11-12.

David wurde von diesem Zeitpunkt an ein anderer Mann. Der siegreiche und von allen gefeierte Held Israels wollte in seinen eigenen Augen kein Held mehr sein. Im Gegenteil, er stand sich fortan misstrauisch gegenüber mit dem Wissen, offenbar zu jeder schlechten Tat fähig zu sein.

Es liegt in der Natur des Menschen, von seinen moralischen Qualitäten solange überzeugt zu sein, bis es Gott gelingt, ihm einen Blick ins eigene Herz zu schenken. Der himmlische Vater kennt unser Herz und weiß um unsere zwiespältige Haltung. Er weiß auch, dass man sich an Zwiespalt und Heuchelei gewöhnen kann und alles Übel verdrängt, wie David. Gott erbarmt sich aber auch über uns und sendet seinen „Nathan“ mit dem Ziel, uns aus dieser misslichen Lage zu befreien. Wer dann ehrlich ist und Kritik annimmt hat die Chance, in eine neue Dimension vorzudringen. Er beginnt nicht nur sich selbst, sondern auch seine Zeitgenossen mit den Augen Gottes zu sehen. Er wird demütig und bescheiden, ein Mensch nach dem Herzen Gottes.

Petrus gibt uns dafür ebenfalls ein Beispiel. Jesus sagte zu ihm, dass er für ihn gebetet hätte, damit sein Glaube keinen Schiffbruch erleide: In dieser Nacht wirst du mich dreimal verleugnen. Petrus, von seinen Qualitäten überzeugt, erwiderte: Und wenn ich mit dir sterben müsste, niemals werde ich dich verleugnen. Kaum ausgesprochen hatte er seine Hand schon zum  Schwur  erhoben und gesagt, dass er Jesus nie gekannt hatte. Wenn Jesus ihm nicht in die Augen geschaut hätte, wäre sein Versagen das Ende seiner Karriere gewesen. Aber so brach er innerlich zusammen, ging hinaus und weinte bitterlich. Unser Herz ist tief und unergründlich wie ein Brunnen und niemand kann es erforschen.

Deshalb sollten auch wir mit David beten: Durchforsche mich, o Gott, und sieh mir ins Herz, prüfe meine Gedanken und Gefühle! Sieh, ob ich in Gefahr bin, dir untreu zu werden, dann hol mich zurück auf den Weg, der zum ewigen Leben führt.

Eine Antwort auf „Der Blick ins eigene Herz“

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