Gruben und Gräben

Hört, was der Herr euch befiehlt: Hebt in diesem trockenen Tal überall Gruben aus. Es wird zwar kein Wind aufkommen, und es wird auch nicht regnen, aber trotzdem wird dieses Tal sich mit Wasser füllen. Dann könnt ihr alle genug trinken, auch eure Pferde und das Vieh. Aber das ist noch nicht alles! fuhr Elisa fort. Der Herr will euch noch mehr geben. Mit seiner Hilfe werdet ihr die Moabiter besiegen. 2. Könige 3, 16-18

Es gehörte schon eine Portion Vertrauen dazu, der Weissagung des Elisa zu gehorchen. Man stelle sich vor, mitten in der Wüste, bei sengender Hitze und weit und breit keine Wolke zu sehen, sagt jemand, dass man beginnen möge, Gruben oder Gräben auszuheben, weil in Kürze soviel Wasser kommen wird, dass alle reichlich zu trinken haben werden. So wie ich mich kenne, würde sich in mir reichlich Widerstand melden. Die Erfahrung lehrt, dass es ohne Wolken kein Wasser geben kann, wozu dann diese Schufterei. – Aber es kam wie verheißen: Das angekündigte Wasser floss in Strömen und jeder war froh, es auffangen zu können. Kein Tropfen musste jetzt nutzlos im Boden versickern und gestärkt konnten sie auch ihre Feinde besiegen.

Gott offenbart uns hier ein Geheimnis. Wenn immer er etwas zu tun gedenkt, bedarf es unserer Mitarbeit. Gott und wir arbeiten wie Partner zusammen, wenn es um seine Gemeinde geht und um ihren Auftrag. In den vergangenen Jahren wurde vielfach prophezeit, dass der Herr eine Erweckung schenken wird. Damit das geschehen kann, bedarf es der Vorbereitung wie zur Zeit Elisas, sonst geht der Strom spurlos an uns vorüber.

In diesen Tagen las ich erneut das Buch „Vision einer Ernte“ von Rick Joyner. Er berichtet über die Erweckung in Wales und stellt fest, dass zwar Tausende vom Geist Gottes ergriffen wurden, aber nach einigen Jahren fast alle in ihr altes Leben zurückgekehrt waren. Der mächtige Strom hatte sich im Sand verlaufen, weil es an Gruben und Gräben ermangelte, – an Strukturen, welche die Massen in Gemeinden hätten integrieren können. In den 60er Jahren geschah Ähnliches. Tausende junger Menschen hatten sich auf den Weg gemacht und suchten eine Neuorientierung für ihr Leben. Sie begannen nach Gott zu fragen. Viele von ihnen erschienen auch in unseren Gemeinden. Es gab aber weder „Gruben“ noch „Gräben“. Die Gläubigen waren schlichtweg nicht darauf vorbereitet. Tausende kehrten zurück in ihr altes Leben und ihre Probleme waren hernach größer als zuvor.

Zu keiner Zeit war die Jugend in unserem Land innerlich so zerrüttet wie heute. 30 Prozent unserer Kinder sind bereits depressiv. Die Abgabe an Psychopharmaka hat in den letzten Jahren um 3000 Prozent zugenommen. Das ist ein alarmierendes Zeichen, eine Herausforderung, die Gott uns vor die Tür gelegt hat. Das dürre Land wartet sehnsüchtig auf den großen Regen. Wird der Strom uns dieses Mal erreichen? Gruben oder Gräben vergleiche ich mit Gottesdiensten, die dem Besucher das Gefühl vermitteln, nach Hause gekommen zu sein. Gesunde Spiritualität und Antwort auf ihre brennenden Fragen sind gefragt. Gruben und Gräben bedeuten für mich auch Väter und Mütter, die sich dieser Menschen annehmen wie ihrer eigenen Kinder und ihnen die Liebe schenken, die sie bisher nirgendwo gefunden haben. Gruben und Gräben, – das sind Gemeinden, die ohne viele „Stufen“ erklimmen zu müssen, von jedermann erreicht werden können. Ob es solche Gemeinden heute schon gibt?