Wenn Gott unbegreiflich wird

Haben wir Gutes empfangen von Gott und sollten das Böse nicht auch annehmen? Hiob 2,10

Es gibt wenige, die den Verlust von Hab und Gut oder den eines lieben Menschen dankbar aus Gottes Händen nehmen können. Hiob war so einer. Eben noch ein gesunder, wohlhabender Mann und Vater von zehn Kindern, hatte über Nacht alles verloren. Selbst seine Frau distanzierte sich von ihm und riet, seinen Glauben zu verlassen: „Sag Gott ab und stirb.“

Jeder möchte von Gott gesegnet sein und verbindet damit Wohltaten und Zuwendungen, die uns gut tun. Wenige bedenken, dass es auch Segnungen gibt, die Schmerzen bereiten. Hiobs Geschichte gibt dafür ein Beispiel. Ohne sie wüssten wir nichts über die Hintergründe von Leid und Schmerz und wie Gott reichlich entschädigt. Er erstattete ihm nicht nur seinen materiellen Verlust, sondern auch den Verlust seiner Kinder. Hiob bekam weitere zehn Söhne und drei Töchter geschenkt. Auch wir sind nicht davor geschützt, dass uns ein materieller Verlust oder der Tod eines geliebten Menschen heimsucht und sich über Nacht alles verändern kann. Dann stellt sich die Frage, wie wir damit umgehen werden. In diesen Tagen erreichte mich der Brief eines lieben Freundes. Nicht lange verheiratet, erwarteten sie ihr erstes Kind. Die Freude wuchs von Tag zu Tag; nur noch wenige Wochen und es sollte geboren werden. Das neue Heim war fertig gebaut und das Kinderzimmer eingerichtet. – Es kam alles anders.

Er schreibt: „Für mich war es nicht selbstverständlich, dass meine Frau schwanger wurde, da sie einen Tumor im Unterleib hatte, der erst ein Jahr zuvor entfernt werden konnte. Zum Glück war er gutartig. Viele aus unserer Familie warten nun mit Spannung auf den Tag der Geburt unseres ersten Kindes. Da es ein Junge war, sollte er Paul heißen. Vor drei Monaten waren wir beim Frauenarzt zur Routineuntersuchung. Unerwartet sagte dieser, dass unser Kind keine Herztöne habe. „Ihr Kind ist tot“, war die Botschaft. Wir konnten es nicht fassen. Als wir wieder zu Hause waren, entdeckten wir auf unserem Kalender den Tagesvers aus Matth. 19, 14: Jesus spricht: Lasset die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht, denn solchen gehört das Himmelreich.  Da unser Herz dringend eines Trostes bedurfte, drangen diese Worte ein, wie ein heilender Balsam. Die Gewissheit, dass unser Kind jetzt bei dem Herrn ist, war ein unverzichtbarer Trost. Uns wurde bewusst, dass unser himmlischer Vater keinen Fehler macht.

In den nächsten Tagen haben wir sehr real erfahren, dass Gott bei allem Schmerz auf unserer Seite steht. In der Frauenklinik wurden wir von einem sehr einfühlsamen Arzt empfangen. Wir bekamen ein Doppelzimmer, so dass wir gemeinsam genügend Zeit hatten für die Trauer und das Abschiednehmen von unserem Kind. Als wir dann den Paul sehen durften, waren wir nicht wenig erstaunt, wie dieser kleine Mensch von 16 cm Länge, bereits ausgebildet war. Jetzt war die Zeit gekommen, uns von ihm zu verabschieden und später konnten wir ihn dann im Kreise unserer Angehörigen beerdigen. Heute sind wir dankbar für die Zeit, in der Paul gewachsen ist, und dass wir seinen unerwarteten Tod mit Gottes Hilfe annehmen konnten. Getrost können wir heute sagen: „Paul, du warst gewollt, kein Kind des Zufalls, keine Laune der Natur, ganz egal, ob du groß geworden wärest oder nur 16 cm. Du bist ein Gedanke Gottes, – ein genialer noch dazu. Du bist  du. – Deine Mama und Papa.“