Wer schreit, wird gehört

Und als Bartimäus hörte, dass es Jesus von Nazareth war, fing er an zu schreien und sagte: Jesus, du Sohn Davids, erbarme ich meiner! Und viele bedrohten ihn, er solle stillschweigen. Er aber schrie noch viel mehr: Du Sohn Davids, erbarme dich mein! Und Jesus stand still und sprach: Rufet ihn her! Und sie riefen den Blinden und sprachen zu ihm: Sei getrost, stehe auf! Er ruft dich. Markus 10,47-49

Schon mal erlebt, wie die Reaktionen sind, wenn alle friedlich zusammen stehen und plötzlich jemand laut durch die Menge schreit, um die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken? Eigentlich wollten alle nur sehen wer da umgeben von Anhängern die Straße entlang kommt. Sie hatten viel von Jesus gehört und ihre Meinungen gingen weit auseinander. Volksverhetzer, sagten die einen, die anderen hielten ihn für einen Hochstapler, der behauptete Gottes Sohn zu sein. Niemand wusste so recht etwas mit ihm anzufangen und plötzlich schrie jemand aus ihren Reihen und bat diesen Jesus um Heilung. „Unerhört“, hieß es, „schweig gefälligst. Während wir kritisieren, willst du von ihm geheilt werden?“ Er ließ sich nicht einschüchtern und schrie noch lauter. Bartimäus wusste, wenn ich jetzt nicht alles tue, verpasse ich meine größte Chance. Ich bleibe blind und werde für den Rest meines Lebens betteln. Jesus stand still, wandte sich diesem Manne zu, heilte ihn und sagte, dass sein Glaube ihm geholfen habe.

Kann Glaube so aussehen? Wenn das Glaube ist, wie viele Wunder könnten auch bei uns geschehen und wie viele Gebete erhört werden. Sicher kann jeder schreien, wenn er will! Aber hilft das? Wir sollten uns den Glauben dieses Mannes etwas näher anschauen. Zunächst können wir feststellen, dass die persönliche Not eine wichtige Rolle spielte. Bartimäus war blind, hatte kein Einkommen und war von der Gunst anderer abhängig. Bei uns ist das anders. Uns geht es gut, auch wenn wir behindert sein sollten, dazu haben wir uns an vieles gewöhnt, auch an Missstände. Warum also zu Gott schreien? Dann fällt mir auf, dass es Bartimäus egal war, was Menschen sagten und er jetzt etwas tut, das andere nie getan hätten. So schrie er laut und bat Jesus um Heilung.

Geschähe das in einem Gottesdienst, könnte die Reaktion die gleiche sein. Ehrlich gesagt, ich wünschte auch nicht, dass so etwas passieren würde. „Was sollen die Fremden über uns denken?“ Und trotzdem wünsche ich mir ein Schreien – tief verborgen im Herzen, – Gebete unter Tränen zu Gott. Ich wünsche mir einen Aufschrei aller Christen über den Zustand ihrer Zeitgenossen aber auch über den vieler Gemeinden und Kirchen. – Einen Schrei über die Gleichgültigkeit Gott und den Verlorenen gegenüber. Lese ich die Psalmen, entdecke ich solche Schreie: Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten. Sie gehen hin und weinen und streuen ihren Samen und kommen mit Freuden und bringen ihre Garben.  Ps. 126, 5-6.

Sind unsere Gebete von solchem Material, von solcher Inbrunst, bleibt Jesus auch heute stehen und sagt: „Komm zu mir, deine Gebete sind erhört, dir geschehe, wie du geglaubt hast“. Gottes Reich wird auch heute nicht ohne Tränen gebaut, das erleben gegenwärtig besonders die, welche ihres Glaubens wegen in Gefängnissen sind, – deren gibt es nach vorsichtigen Schätzungen etwa 200 Millionen. Die Tränen der Märtyrer sind der Same für Erweckung, sagen sie, und ihre Schreie kommen vor Gott und Situationen verändern sich.