Erfolg kann nicht alles sein

Und der Herr ging weg, nachdem er aufgehört hatte zu reden; und Abraham kehrte wieder um an seinen Ort. 1. Mose 18, 33

Wir kennen den Spruch: Habe deine Lust am Herrn; der wird dir geben, was dein Herz wünscht. Ps. 37, 4. Ich kann sagen: „Mir geht es gut, der Herr hat für alles gesorgt. Ich habe alles und kein Wunsch ist offen geblieben.“ Soweit, so gut! – Aber als Geistlicher habe ich noch viele andere Wünsche. Ich wünsche mir, dass meine Mitmenschen Jesus als ihren Herrn annehmen; ich wünsche mir blühende und wachsende Gemeinden an allen Orten im Lande. Ich wünsche mir Christen mit Ausstrahlung! – Das sind solche, die von Gott gesalbt sind und denen man die Freude vom Gesicht ablesen kann. – Meine Wunschliste ist noch viel länger, aber ich bin frustriert. – Ich weiß, dass Wünsche allein nicht genügen. Wenn Träume sich erfüllen sollen, dann sollte man aufwachen und an die Arbeit gehen. Das ist geschehen.

Ich kenne viele, die hart gearbeitet haben. Sie haben nichts unterlassen, um die Gute Nachricht unter das Volk zu bringen und trotzdem, – der Erfolg blieb aus. Wie kann man damit leben, wenn man liest und hört, wie es woanders in der Welt zugeht? Tausende öffnen sich dem Evangelium und Gemeinden wachsen wie Pilze aus dem Boden, Menschen verändern sich und werden glücklich trotz Verfolgung, Hunger und Armut. Ich denke dabei an Indien und China.

Abraham muss es ähnlich ergangen sein. Er hatte lange und inbrünstig für die Bewahrung der Bürger von Sodom gebetet. Immer wieder hieß es „Nein“ und dann lesen wir, dass Abraham umkehrte und an seinen Ort zurückging. Alles Beten hatte offenbar nichts genützt. Wie konnte Abraham sich freuen, als er zusehen musste, dass Feuer und Schwefel über die Stadt herniederkam und sie alle umbrachte, – Menschen, für die er  gebetet hatte. Wie reagieren wir, wenn bei allem Einsatz der Erfolg ausbleibt und Zusagen sich nicht erfüllen? Glücklich macht das nicht und viele Fragen an Gott bleiben offen. Bei allen meinen Bemühungen stoße ich an Grenzen, die ich eigentlich nicht akzeptieren will. Mit Entsetzen stelle ich fest, dass Gott offenbar nicht alles kann. Das klingt zwar menschlich, es ist aber so. Gott konnte die Stadt Sodom nicht verschonen und Abraham kehrte wieder um an seinen Ort. Was ist der Grund dafür? Gott ist Liebe und Liebe reagiert anders als Gewalt. Während Liebe bittet, zwingt Gewalt.
Während man Liebe mit Füßen treten kann, schlägt Gewalt zurück. Als Jesus in Nazareth in der Synagoge predigte, konnte er dort kein einziges Wunder vollbringen und er verwunderte sich über ihren Unglauben. Mark. 6, 1-6. Man hatte ihm die Hände gebunden. Diese Wahrheit sollten wir bei allem Fleiß bedenken und darin zur Ruhe kommen. Wer im Weinberg Gottes arbeitet, muss akzeptieren, dass Frucht nicht machbar ist. Wir können die Weinstöcke zwar pflegen und düngen, aber Wachstum kommt von Gott und das auch nur, wenn die „Weinstöcke“ bereit sind, dem Gärtner gehören zu wollen. Es gibt Gegenden und Länder wo die Frucht besser gedeiht, als bei uns. Als Jesus im Hause des Simon war, kam eine Frau, die ein kostbares Parfum auf sein Haupt goss. – Empörung bei den Jüngern, aber Jesus sagte: Sie hat getan, was sie konnte. Mark. 14, 3-9. – 

Der Tag wird kommen, wo Jesus dasselbe auch uns sagen wird. „Du warst ein treuer Knecht, eine treue Magd. Du hast getan, was du konntest.“ Abrahams Gebetserhörung fiel mager aus; nur Lot und seine beiden Töchter wurden gerettet. Ist das etwa nichts?