Wegweiser statt Rastplätze

Da sprach Petrus zu Jesus: Meister, wie schön ist es, dass wir hier sind! Wir wollen drei Hütten bauen: Eine für dich, eine für Mose, eine für Elia. Lukas 9, 33

Jesus nahm Johannes, Jakobus und Petrus auf einen Berg, um zu beten, als sich plötzlich der Himmel öffnete und ein wunderbarer himmlischer Glanz über sie kam. Im gleichen Licht erschienen auch Mose und Elia. Petrus war überwältigt, damit hatte er nicht gerechnet. Sofort wollte er für jeden eine Hütte bauen. Seine Überlegung war, dass, wenn Jesus Mose und Elia hier bleiben würden, auch die Herrlichkeit Gottes hier bleiben würde. Ich kann Petrus verstehen. Wer so etwas erlebt, hat einen Blick hinter den Vorhang getan. Er hat gesehen, wie schön es in der zukünftigen Welt ist und möchte am liebsten dort bleiben. Lazarus wurde aus dieser Welt wieder zurückgerufen, als Jesus ihn von den Toten wieder erweckte. Ob er glücklich darüber war?

Musste er sich jetzt nicht erneut mit einem rauen Alltag herumplagen? Jeder von uns macht Erfahrungen, – gute und weniger gute. Jeder hat die Möglichkeit, etwas damit anzufangen. Er kann sie verdrängen, er kann aber auch etwas daraus lernen; dann hat er das Leben zu einer Schule gemacht. Schlechte Erfahrungen verdrängen wir am liebsten, weil sie uns unangenehm berühren. Oft sind es aber gerade diese, die uns sensibel machen wollen und zum Nachdenken anregen.

Gute Erfahrungen aber begeistern uns und handelt es sich dazu auch noch um Gebetserhörungen, setzen wir ihnen gerne ein Denkmal und sagen mit Petrus: „Meister, wie schön ist es, dass wir hier sind! Lasst uns drei Hütten machen“. Die Idee, Hütten zu bauen, liegt in der menschlichen Natur. Schöne und großartige Augenblicke möchte man konservieren. Man wünscht, dass es immer so bleiben möge. Viele Lieder bezeugen das. Sie werden gesungen, damit schöne Stunden oder großartige Erlebnisse lebendig bleiben und Gefühle wecken. Das Leben aber ist inzwischen weitergegangen und, wenn keine neuen Höhepunkte hinzugekommen sind, kann der Alltag bei allem Gesang dennoch grau und langweilig sein.

Man hat Erlebnisse zu Rastplätzen gemacht anstatt sie als Wegweiser für die Zukunft zu benutzen. Genau das wäre bei Petrus geschehen, wenn nicht eine Stimme vom Himmel ihn aus seinen Gefühlen und Wünschen zurückgerufen hätte. Sie sagte: Dieser ist mein auserwählter Sohn; den sollt ihr hören!   

Die Herrlichkeit verschwand, – wie jeder Glanz einmal vergeht und schon waren sie wieder mit Jesus allein und stiegen den Berg hinab; hinab auf die staubige Straße; dahin, wo das Volk war. Hier wartete bereits ein besorgter Vater. Sein Sohn wurde von bösen Geistern geplagt und Jesus sollte ihn befreien. Das geschah auch und damit war bereits ein weiterer Höhepunkt in sein Leben gekommen. Dieses Mal standen nicht seine Gefühle und Sehnsüchte im Mittelpunkt, sondern ein befreiter Mensch. Gott sucht keine Weltflüchtigen; keine, die sich hinter hohen Mauern verschanzt haben und mit dem Weltuntergang drohen, er sucht solche, die hinabsteigen auf die Straße; solche, die keine Berührungsängste kennen und das Leid mit anderen teilen.

Petrus ermutigt mit dem, was er erlebt hat, und schreibt: Denn wir sind nicht klugen Fabeln gefolgt, als wir euch kundgetan haben die Kraft und das Kommen unseres Herrn Jesus Christus; sondern wir haben seine Herrlichkeit selber gesehen. 2. Petr. 1,16.