Glaube ist Vertrauen

Durch den Glauben ward gehorsam Abraham, als er berufen war, auszugehen in ein Land, das er ererben sollte, und er ging aus und wusste nicht, wo er hinkäme. Hebräer 11, 8

Hast du schon mal eine Reise unternommen, ohne zu wissen wohin sie gehen soll? Ich bin in meinem Leben viel gereist. Dabei war es selbstverständlich, dass ich mich zuvor gründlich darauf vorbereitete. Ich erkundigte mich über das Land, die Menschen, ihre Lebensgewohnheiten, ob und wo es Sehenswürdigkeiten gibt. Nicht zuletzt wollte ich vorher wissen, an welchem Tag, zu welcher Zeit und mit welchem Flugzeug ich zu welchem Flughafen fliegen müsste. Nichts wurde dem Zufall überlassen.

Abraham erging es anders. Als Gott ihm sagte, dass er seine Heimat verlassen sollte, gab er ihm keinerlei Auskünfte darüber, wohin die Reise gehen würde und was ihm dort begegnen sollte. Er packte seine Sachen und zog los! Unglaublich! Wenn man ihn unterwegs gefragt hätte, wohin die Reise gehe, hätte er gesagt: „Gott rief mich und ich bin jetzt unterwegs; wohin die Reise geht, das liegt in Gottes Händen.“ Offenbar genügte das für ihn. Ob es auch uns genügen würde?

In der Nachfolge gibt es Situationen, wo Gott uns keine Auskünfte über den Verlauf der Nachfolge gibt. Gott erwartet blindes Vertrauen, wie ein Kind seinem Vater vertraut. Es liegt in unserer menschlichen Natur, alles vorher gut zu überlegen. Sicherheit ist höchste Priorität; so sind wir erzogen worden. So wird auch gerechnet und reichen die Finanzen nicht, dann wird erst gar nicht begonnen.

Ich habe viele Berufene kennengelernt, die allein deswegen nie ausgezogen sind. Sie wollten vorher genau wissen, wie alles verlaufen würde, – aber Gott schwieg. Ich kenne aber auch solche, die mit ihren wenigen Habseligkeiten ihr Land verlassen haben, um irgendwo für Gott zu arbeiten. Sie wollten Menschen mit dem Evangelium erreichen, egal wo, und eine Gemeinde als geistliche Zufluchtsstätte für die Gläubigen bauen.

Mein Freund Paulus ist einer von ihnen. Mit seiner Frau und zwei Kindern zog er los. Niemand hatte ihn gerufen, allein die Liebe zu den Verlorenen trieb ihn. Da die Finanzen knapp waren, schliefen sie in einer einfachen Herberge auf Matratzen. Paulus sagte: „Was macht’s,  – wir sind ohnehin den ganzen Tag auf der Straße und missionieren, da können wir nachts auf Matratzen schon gut schlafen.“ Eines Tages wollte er sich eine Diaserie über das Leben Jesu anschaffen. Wieder war nicht genügend Geld vorhanden, so verkaufte er sein Blut an ein Krankenhaus und sein Vorhaben gelang. Immer wieder zeigte er in schönen Bildern das Leben Jesu und predigte das Evangelium. Als ich ihn besuchte, war ich nicht wenig erstaunt, was nach wenigen Jahren hier entstanden war. Ein prächtiges Gebäude diente einer wachsenden Gemeinde und viele Mitarbeiter waren geschult worden, die Paulus zur Seite stehen.

Als ich Paulus fragte, ob er das alles schon im Voraus gewusst habe, was hier entstehen würde, sagte er mit strahlenden Augen: „Unser Gott gibt den Marschbefehl, aber sagt uns nicht immer, wie alles gehen wird. So prüft er unser Vertrauen, auch wenn keine Sicherheiten geboten werden. Das ist dann nackter Glaube.“ Wir wissen, wie es mit Abraham weitergegangen ist. Sein Glaube wurde reichlich belohnt. Er hatte seinen Gott zu seinem Versorger gemacht und wurde nie enttäuscht. Derselbe Gott wartet auf uns, ihm in gleicher Weise zu folgen. Ob uns das gelingen wird?