Straft Gott die Menschen?

Mein Kind, denke nicht geringschätzig von der Erziehung des Herrn! Verzage aber auch nicht, wenn du von ihm gestraft wirst! Der Herr erzieht nur, wen er lieb hat; er züchtigt nur den, den er als Sohn anerkennt. Hebräer 12, 6

Als ich noch die Schule besuchte, waren Züchtigungen an der Tagesordnung. Der Stock war des Lehrers liebstes Werkzeug. Die Kirche stand dem keineswegs nach, auch sie verstand sich als Erzieherin des Volkes. So gab es auferlegte Strafen, die als Bußübung verstanden werden sollten, bis hin zum Ausschluss oder dem Scheiterhaufen.

Man nahm sich das Recht dazu aus der Bibel, schließlich züchtigt Gott die Menschen und sie verstand sich als Exekutive. Mag das ein Grund dafür sein, dass heute so viele Menschen im christlichen Abendland der Kirche den Rücken kehren? Eine Grundaussage über Gottes Wesen ist, dass Gott Liebe ist. Alles, was Gott denkt, sagt und tut, hat immer das Wohl der Menschen zum Ziel. Liebe handelt nie grausam. Wenn Jesus eine Geißel nahm, um die Händler aus dem Tempel zu treiben, dann tat er es aus Liebe zu denen, welche hier in Ruhe anbeten wollten. Ob die Händler den Sinn der Geißelhiebe wohl so verstanden hatten? Gott ist aber auch gerecht. Gerechtigkeit hat immer etwas mit Recht und Unrecht und Vergeltung zu tun.

Gottes Gerechtigkeit geschieht nach dem Gesetz von Saat und Ernte. Gott möchte ein gnädiger Vergelter sein und die belohnen, die ihr Leben in seine Hände gelegt haben und ihm dienen. Was geschieht aber, wenn wir Unrecht säen? Die Bibel sagt: Irret euch nicht! Gott lässt sich nicht spotten. Denn was der Mensch sät, das wird er ernten. Gal. 6, 7. So kann Gottes Züchtigung darin bestehen, dass er sogar ganze Völker mit den Früchten ihrer Taten konfrontiert, damit sie daraus lernen und sich bessern. Dann ist Gott aber auch heilig. In ihm ist nichts Böses und keine Finsternis. Heiligkeit ist ein Feuer; rein und hell und verzehrend. Alles, was in seine Nähe kommt, muss sich in seiner heiligen Gegenwart bewähren. So können meine Werke auch verbrennen, wenn sie nicht der Qualität Gottes entsprechen. 1. Kor. 3, 12-15. Das ist gerecht.

Vor Gott zählt nicht die Quantität unserer Leistungen, sondern ihre Qualität. Wäre das nicht so, dann wären die Großen und Einflussreichen auch in der zukünftigen Welt wieder ganz oben. Nun aber wird der belohnt, der in Demut und Selbstlosigkeit seinem Herrn gedient hat. Gott möchte aber, dass jeder einen großen Lohn empfängt, so kann es durchaus sein, dass er uns den Ruhm oder den Erfolg aus den Händen nimmt, damit wir uns neu besinnen können. Auch das wäre Erziehung. Aus verlorenen und sündigen Menschen will Gott Heilige machen. Dazu braucht er Maßnahmen, die wir als schmerzhaft empfinden. Der natürliche Mensch wehrt sich gegen Schmerz und Leid. Gott bedient sich vieler Wege, uns zuzubereiten. Krankheit, Leid, Verfolgung, Demütigung, Verleumdung oder Verlust sind nur einige davon. Aber über dem allem wacht ein väterliches Herz. Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach dem Vorsatz berufen sind. Röm. 8, 28.

Wenn Gott straft, erzieht er uns. Er will erreichen, dass wir in der zukünftigen Welt den höchsten Stand an Herrlichkeit erreichen und unsere Werke die Herrlichkeit Gottes zu unserem eigenen Ruhm widerspiegeln. Der Gottlose hat gewählt, sein Leben selbst zu gestalten und lehnt Gottes Eingreifen als Erziehung ab. Was dem Gottesfürchtigen zur Zubereitung dient, führt den Gottlosen noch tiefer in Dunkelheit, Verzweiflung und Verdammnis.