Wunderbar gemacht

Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele. Psalm 139, 14

„Ich bin wunderbar!“ – So etwas liest man gerne und jeder hört es gerne, wenn man ihm sagt: „Du bist einfach wunderbar.“ Ist das nicht wie Salböl, das der Seele gut tut? Ja, ich bin wunderbar gemacht! – Das hat mir der Biologe auch schon gesagt. Er sagt, dass ich sogar ein Unikat sei, einmalig auf der Welt; einmalig im Aussehen, in den Genen, im Fingerabdruck, in der Stimme, dem Gang, den Augen… Diese Erkenntnis hat sich sogar die Polizei zu Eigen gemacht. So erfasst und speichert sie meine Einzigartigkeit im Computer – für alle Fälle gewissermaßen.

Dann noch etwas: Es gibt kein Wesen unter allen Kreaturen, das mehr an Würde und Schönheit ausstrahlt, als der Mensch. Er ist einfach göttlich! Ganz zu schweigen von seinen geistigen Fähigkeiten, seinem Willen und Können. Ja, mit Recht können wir sagen: „Ich danke dir dafür, ich bin wunderbar gemacht“.

Aber tun wir das wirklich? Sind wir wirklich dankbar und zufrieden mit uns selbst? Wohl kaum. Der Schönheitschirurg kann davon ein Lied singen. Dem einen gefällt seine Nase nicht, dem anderen nicht das Kinn, oder der Busen und wieder ein anderer ärgert sich über die Falten im Gesicht. Und so warten Tausende vor seiner Tür und es wird geliftet, geschnitten, verpflanzt oder geglättet. Ganz zu schweigen von unseren vielen Kosmetikläden, die gleich prachtvollen Schönheitstempeln unsere Städte zieren. Hier wird so ziemlich alles gemacht, was Menschen begehren, die mit sich nicht zufrieden sind. So wird übermalt, gefärbt, gestylt, geklebt und verdeckt was das Zeug hält. Die Tragödie ist, dass Unsummen dafür ausgegeben werden und letztlich niemand hinschaut, wenn man sich dann der Öffentlichkeit präsentiert.

Machen wir einen Test. Stellen wir uns vor einen großen Spiegel, aber bitte ohne Ersatzteile und abgeschminkt, – einfach so, wie der liebe Gott uns erschaffen hat. Was kann passieren? Einige bekommen einen Schreck vor sich selbst, oder beschimpfen sich mit den übelsten Worten. Woran das liegt? Es gibt nur wenige, die gerne sagen: „Du hast mich wunderbar gemacht“. Das ‚Du’, und damit ein wunderbares Gegenüber, fehlt und schon ist man mit sich allein und Einsamkeit ist tödlich und lässt den Geist verkümmern. So muss man eben nachhelfen. Man will angenommen sein, geachtet, geliebt und geschätzt sein. Ist das unnormal? Sicher nicht.

Das Wissen, dass der Schöpfer mich geplant hat und mich gestaltete, wertet mich auf. Jetzt spielt mein Aussehen keine Rolle mehr. Jetzt darf ich sagen: Ich bin Ich! Ich bin einmalig! Ich bin Sein Kind. – Ein solches Wissen befreit von allen Zwängen und befähigt, unverkrampft zu leben. Jetzt werden Nebensächlichkeiten zur Seite gelegt und man kommt zur Hauptsache. Das Wissen um einen Schöpfer schenkt mir eine lebendige Hoffnung. Und plötzlich fühle ich mich angenommen und bin auf dem richtigen Weg und dieser Weg hat ein Ziel. Solange ich auf dem Weg bin und ein Ziel habe, ist das ‚Wie’ viel einfacher zu ertragen. Plötzlich zählt der innere Mensch und wahre Schönheit kommt immer noch von innen. Dann sind zwei glückliche Augen besser, als ein Schrank voller Kosmetika und ein glückliches Herz besser, als Lob und Anerkennung von Menschen. Stimmt’s?