Porträt oder Karikatur

O ihr unverständigen Galater! Wer hat euch bezaubert, denen doch Jesus Christus vor die Augen gemalt war als der Gekreuzigte. Galater 3, 1

Eine englische Übersetzung benutzt für „malen“ das Wort „porträtieren“. Paulus hatte den Galatern ein Porträt von Christus gemalt, das dem Original zum Anfassen ähnlich war.

Der Begriff Porträt führt uns in das Atelier eines Künstlers, der Könige und Herrscher lebensecht darstellt. Ägyptische Herrscher ließen sich porträtieren und an den Wänden ihrer Grabkammern verewigen. Bei uns hängen in Schlössern und Galerien Porträts von Herrschern und Königen, als Erinnerung an ihre Macht und Bedeutsamkeit. Eines der berühmtesten Porträts, angeblich von Rembrandt gemalt, kann in der Gemäldegalerie in Berlin bewundert werden. Es ist „Der Mann mit dem Goldhelm“. Es wurde 1887 aus Schweizer Privatbesitz für 20.000 Goldmark erworben.

Die Künstler der damaligen Zeit stellten ihre Farben oft selbst her. Das Purpurrot wurde aus der Purpurschnecke gewonnen, wobei aus 8000 Schnecken ein Gramm Farbe gewonnen wurde. Aus dem Halbedelstein Lapislazuli gewann man das Blau für den Himmel ihrer Bilder oder die Gewänder von Herrschern.

Paulus war kein Jünger Jesu. Es gab sogar eine Zeit, in der er die Christen verfolgte. Aber Gott hatte sich ihm offenbart und seit dieser Zeit begann er, mit den schönsten Farben der Hoffnung ein herrliches Porträt von seinem Erlöser zu malen, wenn er sagte: Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene vor aller Schöpfung. Denn in ihm ist alles geschaffen, was im Himmel und auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare, es seien Throne oder Herrschaften oder Mächte oder Gewalten; es ist alles durch ihn und zu ihm geschaffen. Und er ist vor allem, und es besteht alles in ihm. Und er ist das Haupt des Leibes, nämlich der Gemeinde. Er ist der Anfang, der Erstgeborene von den Toten, damit er in allem der Erste sei. Denn es hat Gott wohlgefallen, dass in ihm alle Fülle wohnen sollte und er durch ihn alles mit sich versöhnte, es sei auf Erden oder im Himmel, indem er Frieden machte durch sein Blut am Kreuz. Kolosser 1, 15-20.

Ein solches Porträt zeigte Wirkung. Seinen Hörern drangen solche Worte tief ins Herz und wirkten Glauben. So zog er von Stadt zu Stadt und der Heilige Geist veränderte Menschen. Gemeinden entstanden.

Der Teufel lässt nichts unversucht, Christus aus unseren Gottesdiensten zu verdrängen, oder seine Herrlichkeit als Karikatur zu verzerren. Bei den Galatern war ihm das gelungen. Sie hatten religiöse Bräuche und Sitten aus dem Judentum übernommen und hofften, Gott damit besser dienen zu können. Paulus erkannte, was daraus entstehen würde und schrieb: Wenn ihr das tut, habt ihr Christus verloren. Ihr seid aus der Gnade gefallen und euer Glaube war vergeblich. Gal. 5, 4-5. Kirchen und Gemeinden, in denen den Hörern Christus mit den schönsten Farben der Hoffung vor Augen gemalt wird, sind attraktiv. Glaube wird geboren und der Wunsch entsteht, ihn berühren zu dürfen, weil eine Kraft von ihm ausgeht. Wie ist es bei dir?