Ein gesundes Augenmaß

… und sprachen: Wohlauf, lasst uns eine Stadt und einen Turm bauen, dessen Spitze bis an den Himmel reiche, damit wir uns einen Namen machen; denn wir werden sonst zerstreut in alle Länder. 1. Mose 11, 4

Immer höher, immer größer, immer berühmter, sich einen Namen machen, den die Menschen gerne hören, – steckt dieser Gedanke nicht in uns allen?

Schon Adam und Eva kannten ihn; sie wollten sein wie Gott. Satan versuchte Jesus: „Bete mich an und ich gebe dir Macht über die ganze Erde.“ Jesus verzichtete und das nicht ohne Grund. Zu allen Zeiten hat der Mensch immer wieder sein gesundes Augenmaß verloren. War er gestern noch auf dem Mond, will er morgen auf einem anderen Stern sein. Immer höher, immer weiter.

Erfolg macht stolz und überheblich. Geld, Reichtum, Macht wecken immer größere Begehrlichkeiten. Dann aber platzen unverhofft alle Träume, wie eine schillernde Seifenblase und was übrig bleibt, sind Enttäuschung, Leid und Schmerz. Die Wirtschaftskrise erteilt uns dafür eine dramatische Lektion. Man wollte noch höher hinaus, noch mehr Geld haben, noch reicher, noch unabhängiger und einflussreicher sein. Und dann kam es wie eine Sturmflut und über Nacht platzten alle kühnen Träume, wie eine schillernde Seifenblase. Viele Banken verloren Milliarden und rissen die gesamte Wirtschaft weltweit in eine tiefe Krise. Bis heute weiß niemand, wie wir da wieder herauskommen.

Als wir vor Jahren mit unserem Sechsjährigen am Strand der Adria waren, baute ich mit ihm eine Sandburg. Gerade war er dabei auch einen Turm zu bauen, da kam plötzlich eine hohe Welle und spülte alles weg. Er war entsetzt und fragte, warum Gott das zugelassen habe. Meine Antwort war einfach: „Wir haben zu dicht am Wasser gebaut, ohne Fundament und dazu war alles aus Sand.“

In allem ein gesundes Augenmaß behalten. Bauen wir keine hohen Türme. Der Himmel gehört Gott und wir sind winzig kleine Wesen, die nur deshalb atmen, weil Gottes Hand uns schützt und hält. Bleiben wir auf dem Boden und geben uns mit dem zufrieden, was wir haben. Bereits vor 2000 Jahren schrieb Paulus: Was haben wir denn in die Welt mitgebracht? Nichts! Was können wir aus der Welt mitnehmen? Nichts! Wenn wir also Nahrung und Kleidung haben, soll uns das genügen. Die, die unbedingt reich werden wollen, geraten in Versuchung. Sie verfangen sich in unsinnigen und schädlichen Wünschen, die sie zu Grunde richten und ins ewige Verderben stürzen. Denn Geldgier ist die Wurzel alles Bösen. Manche sind ihr so verfallen, dass sie vom Glauben abgeirrt sind und sich selbst viele Qualen bereiteten. 1. Tim. 6, 6-10

Wenn wir diese Botschaft respektieren und sie zur Grundlage unseres Denkens und Handelns machen, bekommen wir in allem ein gesundes Augenmaß. Darum plädierte der ehemalige Bundespräsident Horst Köhler zu Recht für einen Gottesbezug in der EU-Verfassung: „Wir brauchen eine ethische Grundlage für unser Handeln, mitsamt der Verpflichtung, mit Mensch und Schöpfung auf unserem Planeten verantwortungsvoll umzugehen. Das Christentum weist uns einen richtigen Weg.“ Gottesfurcht gibt ein gesundes Augenmaß. Diese Tugend ist unverzichtbar, weil wir sagen können: Es ist genug!

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