Wie eine Palme

Der Gerechte wird grünen wie ein Palmbaum, er wird wachsen wie eine Zeder auf dem Libanon. Psalm 92, 13

Es gibt kaum einen Reiseprospekt vom asiatischen Raum in dem nicht Palmen vorkommen. Dem Urlauber soll das Gefühl vermittelt werden, dort, wo er hin reisen möchte, Erholung zu finden. Wer möchte nicht auch einmal seine Seele baumeln lassen. Ja, von daher gesehen mag ich Palmen.

In unserem Text geht es aber um Menschen. Hier wird der Gerechte mit einem Palmbaum verglichen. Dann sollten wir uns einen Palmbaum etwas näher ansehen. Warum nimmt Gott nicht eine Eiche oder eine Birke als Vergleich? Ein Palmbaum zählt zu den nützlichsten Gewächsen in der Botanik. Der Botaniker kennt 26 Gattungen. Wir kennen hauptsächlich die Kokospalme, die Dattelpalme oder die Sagopalme. Schon das Palmwedel ist sehr begehrt. Es gibt welche, die bis zu 25 Meter lang werden können. Palmwedel werden gepflückt und zu Matten geflochten, um Dächer von Hütten damit zu decken. Der Stamm dient als Bauholz für Hütten.

Eine Kokospalme liefert nicht nur reichlich Fruchtfleisch, sie spendet auch Flüssigkeit. Dazu ist diese steril und kann für medizinische Zwecke verwendet werden. Die Fruchtschalen dienen als Trinkgefäße oder finden Verwendung in der Küche. Darum, dass das Fruchtfleisch ölhaltig ist, kann man Öl für die Lampe aus ihm gewinnen oder es findet Verwendung in der Kosmetikindustrie. Die Hülle der Frucht ist von einer Faser umgeben, aus der Matten gewebt, Taue gedreht oder Netze für den Fischfang gefertigt werden können. Der Araber hat in der Palme dreihundert Nützlichkeiten entdeckt und schätzt sie sehr.

Von daher gesehen kann ich verstehen, warum Gott Menschen mit Palmen vergleicht. Es gibt kein Wesen auf der Welt, das mit so vielen kostbaren Begabungen ausgerüstet ist, wie der Mensch. Der Psalmist verfolgt jedoch noch ein anderes Ziel. Ihm geht es nicht in erster Stelle um seine Begabungen oder Nützlichkeiten, sondern, ob er ein Gerechter ist. In Gottes Augen gleicht jeder Mensch einem Palmbaum, aber nicht jeder gehört Gott und kann vor ihm bestehen.

Der große tschechische Reformator Jan Hus war ein Palmbaum. 1398 studierte er Theologie und wurde 1400 zum Priester geweiht. 1402 wurde er Professor und übte das Amt des Rektors der Prager Universität von 1409 bis 1410 aus. Er war ein leidenschaftlicher Kämpfer für eine Reform der verweltlichten Kirche, trat für die Gewissensfreiheit ein und sah in der Bibel die einzige Autorität in Glaubensfragen, im Gegensatz zu der weit verbreiteten Überzeugung, der Papst sei letzte Instanz bei Glaubensentscheidungen. Geistliche und Würdenträger wollten das nicht hinnehmen, so rief ihn der Papst auf das Konzil von Konstanz. Der deutsche König Sigismund sicherte ihm freies Geleit. Kaum angekommen, wurde er verhaftet und zum Widerruf seiner Schriften aufgerufen. Hus blieb standhaft und gerade wie ein Palmbaum! Im Abschiedsbrief an seine Freunde schrieb er: „Das aber erfüllt mich mit Freude, dass sie meine Bücher doch haben lesen müssen, worin ihre Bosheit geoffenbart wird. Ich weiß auch, dass sie meine Schriften fleißiger gelesen haben, als die Heilige Schrift, weil sie in ihnen Irrlehren zu finden wünschten.“ Am Nachmittag des 6. Juli 1415 wurde Jan Hus auf dem Brühl, zwischen Stadtmauer und Graben, zusammen mit seinen Schriften verbrannt.

Solche Palmbäume wachsen gerade wie eine Kerze, das können wir mit aufrechtem Gang vergleichen. Sie geben Orientierung und spenden Schatten.