„That’s my God“

Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr und mein Gott! Spricht Jesus zu ihm: Weil du mich gesehen hast, Thomas, so glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben. Johannes 20, 28-29

1953 wurde Elisabeth II. gekrönt. Jetzt war sie Königin von Großbritannien und all den Dominien, die einst das Britische Weltreich ausmachten und ein Viertel der Landmasse der Erde bedeckten. Mit allem nur denkbaren Pomp und mit der allergrößten Feierlichkeit fand die Krönungszeremonie in der Westminster Abbey statt. Der größte Brillant der Erde schmückte ihr Zepter, die Edwardskrone prangte auf ihrem Haupt und alles, was Rang und Namen in der Welt hatte, war versammelt. Oben, auf der Empore saß ihr vierjähriger Sohn Charles und blickte auf das Schauspiel herab. Als er die Königin dort in all ihrer Herrlichkeit auf dem Krönungsstuhl sitzen sah, rief er laut: „That´s my mother!“ Das ist meine Mutter!

Dieser Satz ist in die Geschichte eingegangen. Kein Wunder, er wurde ja nicht von irgendjemandem ausgesprochen, sondern vom Sohn der Königin und ihm stand es zu, so zu sprechen.

Ähnlich muss es dem Thomas ergangen sein. Eben noch zweifelte er, ob Jesus wirklich auferstanden war und sich den Jüngern offenbart hatte, und jetzt erschien er ihm persönlich, zeigte ihm seine Hände und Wunden und bat ihn sogar, seine Hände in die Wunden zu legen.

Überwältigt vor Freude rief er aus: „Mein Herr und mein Gott!“ Eine neue Sicht von seinem Herrn war entstanden.

In seinen Augen war er ab jetzt der Herr über Tod und Leben und nun wird ihm nichts mehr unmöglich sein. Vorher hatte der Tod das letzte Wort, jetzt hat es der Herr und kann sagen: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Grund genug ihn anzubeten und Gott zu nennen und sich in seinen Dienst zu stellen. Thomas ging später nach Indien, um auf diesem Subkontinent seinem Herrn zu dienen. Als ich in Madras war, entdeckte ich neben unzähligen Tempeln auch eine prächtige Kirche. Hier fand ich eine große Gedenktafel, die auf Thomas hinwies und seine Taten gebührend würdigte. Unweit dieser Kirche befindet sich seine Grabstätte, in der er als Märtyrer beerdigt wurde. Jesus sagt, dass die selig sind, die nicht sehen und doch glauben. Was hat er damit gemeint? Sollen wir unser Vertrauen auf Überlieferungen setzen oder auf Tradition und Sakramente?

Es kann nicht genügen, sein Vertrauen auf Überlieferungen zu gründen. Die nächste Versuchung oder der nächste Schicksalsschlag würden es zum Einsturz bringen, das hat die Geschichte tausendfach bewiesen. Christlicher Glaube ist mehr als eine Lehre, es handelt sich um eine Person, die lebt und sich auch heute noch als der Lebendige beweisen möchte. Jesus sagt: Wer mich von Herzen suchen wird, dem werde ich mich offenbaren und zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen. Joh. 14, 23.

Es gibt ein altes Kirchenlied, das ich gerne sang. Dort heißt es: „Du hast dich mir geoffenbart, o Herr in großer Huld; du trägst als Hirte mich so zart in liebender Geduld. Drum bete ich dich an, mein Gott, ich bete an, aus tiefstem Herzen wie ich kann, bet’ ich dich, Jesus, an“.

Dann können wir am Tag der Krönung unseres Königs sagen: „That’s my God“, – das ist mein Gott, ich bin sein Kind.

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