Sehende Augen, hörende Ohren

Mit sehenden Augen sehen sie nicht, und mit hörenden Ohren hören sie nicht; und verstehen es auch nicht. Matthäus 13, 13

Wir alle kennen Begriffe wie Umsicht, Weitsicht, Vorsicht, Nachsicht oder Rücksicht – alles unerlässliche Tugenden im Umgang miteinander und für unser persönliches Leben. Jedoch sehen wir nicht nur mit den physischen Augen allein oder hören mit den natürlichen Ohren, auch unser Herz verfügt über die Gabe sehen oder hören zu können. Gott hat sie uns geschenkt und Völker liefern den Beweis dafür, denn Altäre baut man nicht umsonst. Da hat etwas mitgewirkt, das den Blick weit über die natürlichen Grenzen hinaus erweiterte. Was geschieht aber, wenn das verloren geht? Dann hat der Mensch seine Orientierung verloren, dann stapft er blind durchs Leben und lebt am Ziel vorbei. Er geht für immer verloren.

Obwohl die Zeitgenossen Jesu Zeichen und Wunder erlebten und zum Teil selbst geheilt und von bösen Mächten befreit wurden, konnten sie nicht erkennen, dass es Gott war, der sich ihrer erbarmt hatte. Ihre Blindheit und Taubheit ihm gegenüber war schlussendlich auch der Grund dafür, dass sie Jesus kreuzigten.

Die Frage stellt sich, wie man mit dem Herzen zu hören oder zu sehen vermag. Wir können etwas von einem heidnischen Priester lernen, der eigentlich das Volk der Juden verfluchen sollte, aber Gott ihn daran hinderte und so musste er es segnen. Dieser Mann sagte: So spricht der Hörer göttlicher Reden, der des Allmächtigen Offenbarungen sieht, dem die Augen geöffnet werden, wenn er niederkniet. 4. Mos. 24, 4

Wer sich geöffnete Augen oder hörende Ohren wünscht, darf im Gebet zu Gott hintreten und Gott wird ihn für sich sensibilisieren, wenn das Gebet ernst gemeint ist. Er wird sehend und hörend und sein Gebet wird zu einer Begegnung mit dem Allmächtigen. Er beginnt vieles zu verstehen, was ihm bis dahin verborgen blieb. Gott hat ein großes Interesse daran, dass wir ihn erkennen und verstehen. Nicht umsonst sagt Jesus: Meine Schafe hören meine Stimme und sie folgen mir und ich gebe ihnen das ewige Leben.

Es gibt keine größere Freude als das Wissen, dass Gott uns an die Hand nimmt, um uns zu führen. Was kann uns da noch passieren? Egal, wie die Umstände auch sein mögen, ein Sehender und Hörender hat keine Angst. Vom Evangelisten Moody wird berichtet, dass er mit dem Schiff nach Amerika unterwegs war, als ein heftiger Sturm hohe Wellen über das Schiff spülte. Moody stand auf dem Deck und lehnte sich an einen Mast und schaute gelassen dem Naturschauspiel zu, als einer der Mitreisenden aufgeregt fragte, warum er jetzt nicht mit den anderen beten würde. Moody sagte: „Das habe ich alles vor der Reise erledigt, jetzt vertraue ich Gott und was er macht, nehme ich gerne aus seiner Hand“.

Sehende Augen und hörende Ohren führen in die Ruhe und machen das Herz getrost. Vielleicht sollten wir von Bileam noch intensiver lernen, wie man betet, bevor das Unglück kommt, um uns zu erschüttern. Gebete dürfen kein Notnagel für versäumte Vorbereitungen sein.