Wissen oder Gewissheit

Und er hat geglaubt auf Hoffnung, da nichts zu hoffen war,… und er wurde nicht schwach im Glauben,… und wusste aufs allergewisseste: Was Gott verheißt, das kann er auch tun. Römer 4, 18, 19 und 21

Man kann den christlichen Glauben nicht von seinen Eltern vererbt bekommen. Ebenso wenig genügt es, getauft zu sein und zu einer Konfession zu gehören. Es genügt auch nicht, Theologie zu studieren, in der Hoffnung, dann gläubiger zu sein. Solche Art von Glauben hat kein Leben in sich und kann sich in Zeiten der Not nicht bewähren. Das ist der Grund dafür, dass Millionen von Christen unsere Kirchen verlassen. Sie haben erkannt, dass ihr Glaube für ihr Leben keine wahre Hilfe bedeutet, so wird er als Ballast empfunden und über Bord geworfen. Gibt es einen Unterschied zwischen Wissen und Gewissheit? Optisch wohl kaum. Ich weiß, dass zweimal zwei vier ergibt und bin gewiss, dass diese Rechnung stimmt. So weit so gut; aber wenn es um den christlichen Glauben geht, kann ich nicht mathematisch vorgehen. Göttliche Dinge lassen sich nicht berechnen, so muss Gott mir helfen, damit ich sagen kann: Ja, ich bin gewiss, dass Gott mich angenommen hat. Dieses Wissen gehört zu dem wichtigsten Wissen überhaupt. Ich muss wissen, dass ich gerettet bin, sonst gehe ich für ewig verloren.

Wie kann ich zu dieser Gewissheit kommen? Von Abraham lesen wir, dass er mehr als gewiss war. Eigentlich gibt es eine solche Formulierung nicht. Entweder man ist gewiss oder man ist es nicht. Seine Gewissheit aber ging weit über sein Fassungsvermögen hinaus. Er konnte glauben, ohne zu sehen und selbst sein hohes Alter hinderte ihn nicht, zu glauben. Er glaubte auch dann, als er seinen Sohn Isaak opfern sollte. So konnte er zu seinen Knechten sagen, dass sie warten sollten, bis sie angebetet hätten. 1. Mos. 22, 5. Abraham wusste, dass Gott ihm seinen Sohn wieder zurückgeben würde, obwohl alles der Situation widersprach. Eigentlich hätte er Abschied von seinem Sohn nehmen müssen, aber ein inneres Wissen machte ihn stark in der Prüfung.

In Hebräer 11,1 erklärt der Schreiber diesen Glauben. Er benutzt dabei das Wort „Substanz“. Substanz ist etwas Konkretes; man kann es zwar nicht betasten, dennoch ist es da. Während der Verstand zweifelt, kann das Herz es bejahen. Was ist geschehen? Gott ist zu uns gekommen und hat sich mit uns vereinigt. Davon spricht Jesus, wenn er sagt: Wer mich von Herzen liebt, dem werde ich mich offenbaren und Wohnung bei ihm machen. Joh. 14, 21-23. Allein diese Gewissheit ist wie ein Anker der Seele, der vor dem Abdriften bewahrt; sie ist der Motor, der Kraft gibt, gegen den Strom zu schwimmen. Sie ist die Hoffnung, welche die Furcht vor dem Sterben nimmt und hinüber hilft auf die andere Seite, um vor Gott zu erscheinen.

Unsere Alten hatten dafür ein besonderes Lied, das sie immer wieder sangen:

„Seliges Wissen: Jesus ist mein; füllt mir das Herz mit himmlischem Schein, wiedergeboren, frei von der Sünd’, unseres Gottes herrliches Kind. Das muss ich singen Jesus zur Ehr‘, ER ist mein Rühmen, einzig nur ER, Licht mir und Leben, mein Sonnenschein, o Du mein Alles, Du nur allein!“ Wie ist es bei dir? Lebst du vom Wissen, das du dir angeeignet hast oder ist Gott zu dir gekommen und hat Wohnung in dir gemacht?