Was ist Gemeinde?

So seid ihr nun nicht mehr Gäste oder Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen. Epheser 2, 19

Es gab eine Zeit, da lebten die Menschen wie eine Familie auf Erden. Jeder kannte jeden und man konnte sich verstehen; aber seit Babylon ist alles anders geworden. Die erste Bauruine der Menschheitsgeschichte war geboren, weil es an Verständigung fehlte. Die bis dahin intakten Beziehungen lösten sich auf und alle zerstreuten sich über die ganze Welt. Dieser Zustand hat die Menschheit zum verlorenen Schaf der Schöpfung werden lassen. Immer wieder versuchte Gott, die Menschen zusammenzubringen, damit sie wie eine Familie leben können. Das beste Beispiel dafür ist das Volk Israel, jedoch ohne nennenswerte Resultate.

Pfingsten gründete Gott die Ecclesia und damit eine Gemeinschaft wie in einer Familie. Ich danke Gott, dass ich zu dieser Familie gehören darf. Im Nachfolgenden will ich sagen, warum ich sagen kann: „Ich liebe meine Gemeinde“. „Was ist Gemeinde?“ weiterlesen

Wenn Gott Geschichte schreibt

Und der Herr sprach zu Abraham: Geh aus deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Haus in ein Land, das ich dir zeigen will. Und ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen, und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein. 1.Mose 12,1-2

Fast zwei Milliarden Christen, dazu etwa eine Milliarde Moslems und vierzehn Millionen Juden verehren Abraham. Sein Glaube und Vorbild wurden zum Grundstein ihres Glaubens. Aus seinen Nachkommen gingen hervorragende Fürsten und Könige hervor, die mithalfen, Geschichte von Völkern zu schreiben. So haben wir allen Grund, uns mit diesem Mann näher zu befassen.

Womit fing alles an? Natürliche Voraussetzungen gab es keine. Abraham war weder frommer Jude noch Moslem oder Christ. Er verehrte die Götter Babylons, lebte als Beduine in Zelten und war ständig auf der Wanderschaft. „Wenn Gott Geschichte schreibt“ weiterlesen

So will Gott uns führen

Ich will dich unterweisen und dir den Weg zeigen, den du gehen sollst; ich will dich mit meinen Augen leiten. Psalm 32, 8

Da ich ein schlechter Pfadfinder bin, schenkte man mir ein GPS (Global Positioning System). Begebe ich mich jetzt auf Reisen, begleitet mich eine liebliche Stimme aus dem Lautsprecher. „In 200 Metern bitte rechts abbiegen“, sagt sie und später: „Im Kreisverkehr bitte die dritte Ausfahrt benutzen,“ und so geht es nun während der ganzen Fahrt. Immer wieder die richtige Information zur rechten Zeit, und ich brauche nur noch zu tun, was gesagt wird. Wie das funktioniert? Ich bin kein Elektroniker, aber eines stelle ich fest: Man beobachtet mich und jemand kennt das Ziel, das ich erreichen möchte und gibt mir die richtigen Anweisungen, bis ich das Ziel erreicht habe. „So will Gott uns führen“ weiterlesen

Mit Weisheit Ziele erreichen

Pläne kommen zum Ziel, wenn man sich recht berät; und Krieg soll man mit Vernunft führen. Sprüche 20, 18

In vielen Gemeinden ist der Hirte auch der Visionär. Da ihm viele inspirierende Informationen zur Verfügung stehen, ist er begeistert. Er möchte, dass Gott in seiner Gemeinde ebenso wirken kann wie anderswo. So fasst er einen Plan, wie er vorgehen möchte, um sein Ziel zu erreichen. Aber oftmals denkt die Gemeinde anders und er gibt wieder auf.

Salomo machte viele Pläne und sie sind ihm gelungen. Einer davon war der Bau des prächtigen Tempels in Jerusalem. Er war nicht nur ein ausgezeichneter Baumeister, er war auch ein weiser Mann und hatte hervorragende Mitarbeiter, die er ständig schulte. Seine vielen Sprüche geben davon eine Kostprobe. Durch seine Klugheit und Umsicht hatte er dem Volk zu einem Wohlstand verholfen, wie es keinem nach ihm mehr gelang. „Mit Weisheit Ziele erreichen“ weiterlesen

An der Aufgabe wachsen

Der Herr aber wandte sich zu ihm und sprach: Geh hin in dieser deiner Kraft; du sollst Israel erretten aus den Händen der Midianiter. Siehe, ich habe dich gesandt! Richter 6, 14

Wenn du eine Schlacht gewinnen willst, dann gewöhne dich nicht an den Ist-Zustand. Wer missliche Umstände akzeptiert, wer Mangel und Niederlagen hinnimmt, wer mit Unbedeutendem und Belanglosem zufrieden ist oder sich mit Schwächeren vergleicht, kann nie den Wunsch bekommen, von Gott in neue Dimensionen hineingeführt zu werden.

Als der Herr das Volk Israel aus der Vorherrschaft der Midianiter befreien wollte, suchte er einen Mann, der von einer tiefen Sehnsucht nach Veränderung erfüllt war. Gideon war dieser Mann. Er sagte zwar, als Gott ihn rief:  Mein Geschlecht zählt zum Geringsten unter dem Volk und dazu bin ich der Jüngste aus meiner Sippe. Dennoch nannte Gott ihn einen streitbaren Helden, obwohl er noch keine Schlacht gewonnen hatte. Gideon hatte sich nicht an den Zustand seines Volkes gewöhnt, so sagte er zu Gott: Wo sind alle seine Wunder, davon uns unsere Väter erzählten?  Richter 6, 12. „An der Aufgabe wachsen“ weiterlesen

Ziele verändern unsere Sprache

Ein guter Mensch bringt Gutes hervor aus dem guten Schatz seines Herzens; und ein böser Mensch bringt Böses hervor aus seinem bösen Schatz. Matthäus 12, 35

Als Abraham im hohen Alter die Verheißung bekam, Vater zu werden, änderte er seinen Namen. Gott sagte ihm: Du sollst nicht mehr Abram heißen, sondern Abraham –  Vater vieler Völker. 1. Mos. 17, 4. Abraham nahm das an, obwohl er noch eine lange Zeit warten musste.
An dieser Stelle wünsche ich uns etwas Phantasie. Stellen wir uns vor, der immer noch einsame Mann stellte sich seinen Knechten und Mägden mit seinem neuen Namen vor: „Ich heiße fortan Abraham und werde ein Vater vieler Völker sein!“ Ob das Gesinde wohl gestaunt hatte und fragte, wo denn die Nachkommen seien? Abraham wird entgegnet haben: „Die Nachkommen sind da, auch wenn man sie im Moment noch nicht sieht, aber in mir brennt eine Gewissheit, die mir sagt, dass es so geschehen wird. Was Gott zusagt, das wird er auch tun.“ – „Ziele verändern unsere Sprache“ weiterlesen

Der Weg ist lang und dornig

Denn so spricht der Hohe und Erhabene, der ewig wohnt, dessen Name heilig ist: Ich wohne in der Höhe und im Heiligtum und bei denen, die zerschlagenen und demütigen Geistes sind, auf dass ich erquicke den Geist der Gedemütigten und das Herz der Zerschlagenen. Jesaja 57, 15

Ich werde an den Kampf um Stalingrad erinnert. Die sechste deutsche Armee mit 230.000 Soldaten war von russischen Truppen umzingelt und der Winter war mit aller Härte über die Soldaten hereingebrochen. Die Hoffnung auf Befreiung war geschwunden, ebenso ihr Vertrauen auf den großen Führer, der ihnen ein Tausendjähriges Reich versprochen hatte. Tausende waren bereits erfroren und andere waren halb verhungert, als die Bitte an das Hauptquartier erging, man möge ihnen Bibeln schicken. Die wenigen, die kamen, mussten reichen, damit jeder, der wollte, wenigstens eine Seite zum Lesen bekam. Dann hockten sie in ihren Gräben und lasen, was Gott zu sagen hatte. Viele lasen es immer wieder und jedes Wort erschien ihnen wie ein Gruß aus einer anderen Welt. Als dann der Heilige Abend kam und das Lied „Stille Nacht, heilige Nacht“ durch die Lautsprecher ertönte, blieb kein Auge trocken. Harte Männer mit versteinerten Herzen begannen zum ersten Mal in ihrem Leben zu weinen. Es war, als lege sich eine heilige Atmosphäre über die Todgeweihten. Ich lernte den Piloten eines der letzten Flugzeuge kennen, der Verwundete auszufliegen hatte. Er bestätigte mir die dramatischen Umstände und fügte hinzu: „Der Weg zu den Herzen meiner Kameraden war sehr lang und dornig, aber Gott hatte es geschafft, zu ihnen zu kommen.“

Der Mensch hat von Natur aus ein feindliches Verhältnis zu seinem Schöpfer. Der berühmte Physiker und Begründer der Relativitätstheorie und Träger des Nobelpreises 1921 Albert Einstein (1879-1955) beschrieb das so: „Das einzig wahre Problem aller Zeiten liegt im Herzen und in den Gedanken des Menschen. Es geht dabei nicht um ein physikalisches, sondern um ein moralisches Problem. Es ist leichter, die Zusammensetzung des Plutoniums zu ändern, als den schlechten Geist eines Menschen. Es ist nicht die Sprengkraft einer Atombombe, die uns erschreckt, sondern die boshafte Kraft des menschlichen Herzens.“

Bei einer Weihnachtsfeier im Kindergarten wurden die Kleinen gefragt, warum Gott seinen Sohn nicht irgendwo in einem Königshaus zur Welt kommen ließ, sondern ausgerechnet in Bethlehem, im letzten Winkel der Welt und dazu auch noch in einem Stall. Einen Augenblick herrschte nachdenkliche Stille. Dann meldet sich ein Kind zu Wort: „Ist doch klar“, sagte es, „sonst hätten ja die Hirten mit ihren schmutzigen Stiefeln nicht zum Jesuskind kommen können!“ Die Antwort trifft ins Schwarze. Gott ist deshalb ganz unten in der Gesellschaft eingezogen, damit die mit den schmutzigen Stiefeln zu ihm kommen können, um Frieden zu finden.

Dieser verheißene Friede ist nicht ein momentaner Waffenstillstand, der jederzeit wieder zusammenbrechen kann – so wie wir es im Nahen Osten dauernd erleben. Es ist viel mehr der Zustand einer Geborgenheit, wie sie schöner und tiefer nicht sein kann. Deshalb heißt es auch: Friede bei den Menschen, auf denen Gottes Wohlgefallen ruht. Egal, wie deine Situation auch sein mag, Gott sucht einen Weg, dir zu helfen. Aber er kann nur zu denen kommen, die sich vor ihm demütigen und von sich selbst restlos enttäuscht sind. Gehörst du dazu?

Heilsame Unwissenheit

Jesus antwortete und sprach zu Petrus: Was ich tue, das weißt du jetzt nicht; du wirst es aber hernach erfahren. Johannes 13, 7

Bevor Jesus seinen Weg zum Kreuz ging, feierte er mit seinen Jüngern noch das Passamahl. Anschließend wusch er ihnen die Füße. Petrus war das peinlich: „Herr solltest du meine Füße waschen?“ sagte er entrüstet. Die Erklärung Jesu klingt geheimnisvoll: Was ich tue, das weißt du jetzt nicht; du wirst es aber hernach erfahren. Wir erfahren an keiner Stelle den tieferen Sinn dieser Handlung. Das Einzige, was wir wissen, ist, dass Jesus seinen Jüngern empfiehlt, sich gegenseitig ebenfalls die Füße zu waschen. Sicher keine heilsnotwendige Tat aber eine gute Demutsübung. Mir drängt sich die Frage auf, ob es immer gut ist, alles verstehen zu können, was Gott tut.

Was würden wir zum Beispiel tun, wenn wir alle Ereignisse, die uns begegnen werden und niederdrücken wollen, im Voraus wüssten? Würden wir diesen nicht behutsam aus dem Weg gehen, damit wir es leichter haben? Zwar hört man immer wieder den Slogan: Lass deine Seele baumeln. Ob das auf die Dauer aber gut ist? Wären die Folgen nicht ein Leben ohne nennenswerte Höhepunkte. Es wäre ein farbloses und langweiliges Dasein. Bei jeder Herausforderung würde man einbrechen und resignieren und Gott die Schuld an seinem bedauernswerten Zustand geben.

Ich möchte kein langweiliges Leben. Ich möchte Gott erleben. Ich liebe das Abenteuer, die Herausforderung. Ich möchte Spuren hinterlassen, an denen andere sich orientieren können. Das alles ist ohne Gottvertrauen nicht möglich. Wie aber kann ich Gott vertrauen und mich von ihm abhängig machen, wenn ich alles schon im voraus weiß? Was könnte mich dann noch ins Gebet treiben, um Gott um Rat und Hilfe zu bitten? Wie könnte mein Herz eine Last empfinden oder den Schmerz für Menschen, die ewig verloren gehen? Wenn ich das alles möchte, muss ich in Kauf nehmen, dass Jesus auch zu mir sagt: Was ich jetzt tue, das weißt du nicht; du wirst es aber hernach erfahren. Das tröstet mich, denn der Tag wird kommen, wo mein ganzes Leben wie ein ausgebreiteter Teppich vor mir liegen wird und ich die dunklen und hellen Fäden sehen werde, die seine Hand kunstvoll zu einem großartigen Muster zusammengewirkt hat, und das alles für meine zukünftige Herrlichkeit. Dann spätestens werde ich keine Fragen mehr haben. Dafür wird aber der König sein großes Taschentuch nehmen, um mir die letzten Tränen zu trocknen.

Was würden wir tun, wenn wir den Tag seiner Wiederkunft wüssten?

Gäbe es dann noch etwas, das uns zur Wachsamkeit antreiben könnte? So danke ich Gott dafür, dass ich diesen Tag nicht kenne. Die Unwissenheit hält mich wach. Sie sorgt dafür, dass ich immer genügend Öl in meiner Lampe habe, damit ich dem Bräutigam, wenn er dann kommt, mit einem brennenden Herzen entgegengehen kann. Bist du dann mit dabei?

Das sichere Camp heißt Jesus

Bleibt besonnen und wachsam! Denn der Teufel, euer Todfeind, läuft wie ein brüllender Löwe um euch herum. Er wartet nur auf ein Opfer, das er verschlingen kann. 1. Petrus 5, 8

Als wir den Krügerpark in Südafrika besuchten, fanden wir viele Hinweise, dass der Besucher spätestens um 18 Uhr das Camp erreichen müsse, weil es dann wegen der umherstreifenden Löwen geschlossen wird. So hatten wir uns beeilt, rechtzeitig ins Camp zu gelangen. Dort fanden wir Dokumentationen von Menschen, die den Hinweis nicht Ernst genommen hatten. Sie waren in die Zähne von Löwen geraten und sahen schändlich zugerichtet aus. Andere wurden buchstäblich gefressen, so dass nur einige Überreste zu sehen waren.

Der Böse umschleicht die Christen nicht umsonst. Er konnte nicht verhindern, dass sie ihr Leben Gott anvertrauten. Er musste zusehen, wie Gott sie mit seinem Geist erfüllte und neue Menschen aus ihnen machte. Mit Schrecken sieht er den Tag kommen, wo sie mit Christus herrschen und ihm das Urteil sprechen werden. Damit wird seine Zukunft die ewige Verdammnis sein. Während der Böse besonders in der islamischen Welt die Christen durch Verfolgung zu vernichten versucht, kommt er in der westlichen Welt auf die sanfte Art.

Eine christliche Zeitung befasst sich mit den Kirchenbesuchern der letzten Jahre. Danach sind im Zeitraum von 3 Jahren 1,4 Millionen Menschen aus der Kirche ausgetreten, so dass etwa 3,8 Prozent noch einen Gottesdienst besuchen. Wo sind die 96,2 Prozent geblieben – und was werden sie tun? Die Kirche in der westlichen Welt durchlebt gegenwärtig ihre größte Krise. Viele Geistliche sind sich darin einig, dass, wenn nicht in absehbarer Zeit ein Wunder geschieht, die Kirche vor dem Ausverkauf steht. Ein nachchristliches Zeitalter hat bereits begonnen. Dem Feind ist es gelungen, auf listige Art die geistlichen Fundamente zu unterhöhlen, um das Haus zum Einsturz zu bringen. Während wir immer noch von christlichen Werten sprechen, weiß heute niemand mehr, was damit gemeint ist. Eine bekannte Tageszeitung titelt: Nicht Krieg, sondern Verlust der Werte bedroht unsere westliche Welt. In dieser Gesellschaft ist es kalt geworden. Ein gnadenloser Verteilkampf macht sich breit, bei dem hauptsächlich junge Menschen auf der Strecke bleiben. Für diesen Verlust zahlen wir einen hohen Preis. Steigende Kriminalität, zunehmende Gewalt, Zerfall der Familien, Unfähigkeit zu Bindungen und Freundschaft. Der Glaube an sich selbst und an die Machbarkeit aller Dinge hat eine gnadenlose Philosophie ins Leben gerufen. Sie ist die Weiterführung der Evolutionstheorie von Darwin. Das Stärkere besiegt das Schwache, damit wird diese Welt zu einem alles fressenden Fleischwolf.

Petrus hat diese Entwicklung vorausgesehen, als er schrieb: Bleibt besonnen und wachsam! Denn der Teufel, euer Todfeind, läuft wie ein brüllender Löwe um euch herum. Er wartet nur auf ein Opfer, das er verschlingen kann. Wir sind dann wachsam, wenn wir mit wachen Augen leben. Niemand kann die Entwicklung unserer Gesellschaft stoppen. Alles folgt dem Gesetz von Saat und Ernte. Was wir aber tun können ist, uns in das sichere Camp begeben, wo der brüllende Löwe keinen Zugang hat. Jesus sagt: Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer und sie müssen brennen. Joh. 15, 5-6.

Dankbar sein in allen Dingen

Seid dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus.  1. Thessalonicher 5, 18

Wer den Willen Gottes für sein Leben wissen möchte, bekommt hier einen konkreten Hinweis: Gott möchte, dass wir für alles dankbar sind. – Wenn es uns gut geht, werden wir damit wenig Probleme haben. Aber was tun wir, wenn alles anders kommt, als gedacht? Wenn das Schicksal zuschlägt, Krankheit, Schmerz oder der Verlust eines lieben Menschen uns heimsuchen? Verlangt Gott dann nicht zuviel, wenn er sagt, wir sollen für alles dankbar sein? Es wird sicher keinen Menschen geben, der das nicht als eine Überforderung empfindet.

Während einer Vortragsreihe hatte ich für den nächsten Abend das Thema angekündigt: „Warum lässt Gott das zu?“ Während meiner Vorbereitung am folgenden Tag klopfte es an der Tür. Der Pastor teilte mir mit, dass soeben ein Jugendlicher der Gemeinde tödlich verunglückt sei. – Da saß ich nun über meine Bibel gebeugt mit der Frage, was ich in dieser Situation sagen soll. Der Abend war gekommen und der Saal hatte sich bis auf den letzten Platz gefüllt. Vorne saß die Jugend. Ihre Gesichter waren von Schmerz gezeichnet und viele wischten sich die Tränen aus den Augen, und ich hatte die Aufgabe, ihnen zu erklären, warum Gott das zugelassen habe.

Ich gebe zu, dass ich mich überfordert fühlte, bis ich den obigen Text entdeckte: Seid dankbar in allen Dingen. – Gott will nicht das Leid. Er hat Mitleid und möchte uns helfen, Leid, Verlust und Schmerz zu überwinden. Er weidet sich nicht an den Tränen verzweifelter Menschen. Keineswegs! Gott ist ein barmherziger Vater und kann mitfühlen. Und dennoch! Wenn Gott uns sagen lässt, für alles dankbar zu sein, muss es einen tieferen Grund dafür geben. Erst wenn wir den erkannt haben, wird es uns leichter fallen, für alles zu danken.

Wer für alles zu danken beginnt, übergibt seinen Schmerz Gott. Jetzt hat er es nicht mehr mit dem Feind zu tun, von dem alles Leid kommt, sondern mit seinem himmlischen Vater. Das verändert die Situation. Der Leidgeprüfte gibt Gott die Möglichkeit, sich der Sache anzunehmen. Das bestätigte mir am nächsten Tag die Mutter des Verunglückten. „Ich hatte meinen Sohn als ein Geschenk vom himmlischen Vater angenommen und jetzt gebe ich ihn als ein solches wieder an ihn zurück. In der Familie haben wir oft über unsere zukünftige Heimat, den Himmel, gesprochen. Dass er aber so schnell das Ziel erreichen würde, hatten wir nicht gedacht. So trösten wir uns damit, dass er uns nur vorausgegangen ist und wir uns alle wiedersehen werden. Dafür will ich Gott danken.“

Wer nicht für alles danken kann, muss damit rechnen, dass ihn der Schmerz zu begraben droht, er in Verzweiflung gerät und schließlich Gott an allem die Schuld gibt. So leben viele mit Groll und Bitterkeit und zerstören sich ihre Zukunft. Wer den himmlischen Vater seinen Herrn nennt, gibt ihm auch das Recht, Dinge und Ereignisse zuzulassen, die ihm nicht gefallen werden. Er vertraut ihm aber, dass Gott es immer gut mit ihm meint und die Stunde kommen wird, wo er das zu verstehen beginnt.

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