Mit Erwartungen leben

Du erfüllst ihm seines Herzens Wunsch und verweigerst nicht, was sein Mund erbittet. Psalm 21, 3

Wieder einmal hatte sich der Kreis Jungbekehrter getroffen, zu dem auch ich gehören durfte, als mein Freund Willi sagte, dass es in seinem Wohnzimmer nun allmählich zu eng werden würde. Der Zeitpunkt schien gekommen zu sein, sich nach Räumen in einer Schule umzusehen. Ich horchte genau hin, seine Worte klangen wie Musik in meinen Ohren. Spontan fragte ich, ob man dort auch Kinder unterrichten könnte. Ich war bereit, diesen Job zu übernehmen. Gerne, hieß es, und eine junge Mutter war besonders begeistert, sie hatte zwei Kinder und dazu konnte sie Klavier spielen. Sie wollte mir bei der Arbeit helfen.
So machte ich mich sofort ans Werk und besorgte mir das nötige Material für den Unterricht. Der große Tag war gekommen und als ich auf meinem Fahrrad saß, fiel mir plötzlich ein, dass ich vergessen hatte Kinder einzuladen. „Mit Erwartungen leben“ weiterlesen

Jeder Mensch hat Träume

Denn wie ein Hungriger träumt, dass er esse, – wenn er aber aufwacht, so ist sein Verlangen nicht gestillt; und wie ein Durstiger träumt, dass er trinke, – wenn er aber aufwacht, ist er matt und durstig. Jesaja 29, 8

Hunger und Durst verlangen nach Sättigung; bleibt diese aus, muss der Mensch sterben. Das Verlangen nach Sättigung kann ihn rasend machen und ihn bis in den Schlaf verfolgen. Er beginnt von Sättigung zu träumen und wenn er erwacht, beginnt die Suche von vorne.

Ich selbst kam noch nie in eine solche Situation, aber Freunde erzählten mir von ihrer Safari durch die Wüste. Unterwegs hatten sie eine Autopanne und kamen nicht mehr von der Stelle. Ungeschützt waren sie der Hitze der Sonne ausgesetzt und mit der Zeit ging ihnen das Trinkwasser aus. Aus Verzweiflung öffneten sie den Kühler und begannen das Kühlwasser zu trinken, Der Durst hatte sie rasend gemacht, da war es ihnen egal, ob im Wasser Frostschutz sein könnte oder nicht. – Nur zu trinken war ihr heißes Verlangen. „Jeder Mensch hat Träume“ weiterlesen

Mit Zielen leben

Er gebe dir, was dein Herz begehrt, und erfülle alles, was du vorhast. Psalm 20, 5

Gott erlaubt es, mit Zielen zu leben. Er möchte, dass wir unser Leben mit Inhalten füllen, für die es sich lohnt, zu leben. Er hat Freude daran, wenn wir von Erfolg zu Erfolg schreiten und abenteuerlich leben. Es gibt keine größere Kraft im Leben, als mit Zielen unterwegs zu sein, auch wenn nicht alles erreicht wird, was wir uns vorgenommen haben. Es ist besser, mit unerreichten Zielen gelebt zu haben, als ohne Ziele durchs Leben geschlendert zu sein. „Mit Zielen leben“ weiterlesen

Das rechte Wort zur rechten Zeit

Es ist einem Mann eine Freude, wenn er richtig antwortet, und wie wohl tut ein Wort zur rechten Zeit. Sprüche 15, 23.

Das deutsche Alphabet hat 26 Buchstaben und unser gesamtes Wissen können wir damit zum Ausdruck bringen. Jeder kann zwar Worte machen, aber nur wenige haben wirklich etwas zu sagen. Schöne Worte hört jeder gern; jeder weiß aber auch, dass sich hinter schönen Worten oft böse Absichten verbergen können.

Bei den alten Griechen galt die Kunst der Rede als vorbereitendes Studium zu anderen Studienfächern. So wurde auf ihren hohen Schulen auch die Kunst der Beredsamkeit studiert. Das Ziel bestand darin, den Schüler zu befähigen, seine Zuhörer von seinen Aussagen zu überzeugen oder sie willig zu machen, zu kaufen, was ihnen vermittelt wurde.

Worte allein sind es nicht, die Vertrauen wecken und Herzen öffnen. Wir kommunizieren nicht nur verbal, sondern auch mit unserem Auftreten, den Gesten oder der Mimik; selbst der Tonfall spielt eine Rolle; er unterstreicht Worte oder gibt ihnen Nachdruck oder verharmlost sie. In der Summe kann gesagt werden: Nicht allein was wir sagen zählt, sondern wie wir es sagen.

So können wir dem guten Evangelium den zarten Klang der Liebe Gottes durch harte Worte rauben. Mit der Wahrheit können wir Menschen aufbauen oder verletzen. Der Ton macht die Musik. Wenn wir zornig sind oder Ärger und Ablehnung eine Rolle spielen, denken wir selten an die Wirkung unserer Worte. So sind in der Ehe, bei Kindern, bei Freunden oder Nachbarn Türen zugeschlagen worden, die sich selten wieder öffnen lassen. Die Bibel sagt: Sei schnell im Hören aber langsam mit Worten. Denkpausen sind immer gut angebracht. So kann sich der Adrenalinpegel wieder normalisieren und alles, was wir zu sagen haben, klingt viel lieblicher. Jesus war ein Meister der Worte. Seine Worte waren die Sprache des Volkes, einfach, glaubwürdig, bildhaft und nachvollziehbar. Er verstand es, mit wenigen Worten viel zu sagen und was er sagte, entwaffnete die Spötter, tröstete die Traurigen, strafte die Heuchler oder schenkte den Verzagten Hoffnung.

Unser Text sagt: Es ist einem Mann eine Freude, wenn er richtig antwortet, und wie wohl tut ein Wort zur rechten Zeit.

Heute las ich ein Wort über unseren Redekonsum: „Vermutlich spricht ein erwachsener Mensch ca. 16.000 Worte pro Tag. Was ist wohl der Inhalt solch vieler Worte? Worte haben eine gewisse Macht. Jesus sprach Worte der Gnade: Und sie gaben alle Zeugnis von ihm und wunderten sich, dass solche Worte der Gnade aus seinem Munde kamen und sprachen: Ist das nicht Josefs Sohn? Luk.4,22.

Die Menschen waren zutiefst berührt von den Worten Christi. Durch seine Rede empfingen sie Gnade. Welch eine gewaltige Vorstellung, dass das gesprochene Wort Gnade ist! Wie gnädig sind unsere 16.000 Worte am Tag? Wir Menschen müssen wieder Gnädiges hören. Einer Umfrage zufolge fühlt der Mensch sich am wohlsten, wenn er folgende drei Dinge hört: „Ich habe dich lieb! Vergib mir bitte! Du bist eingeladen!“ So lasst uns, weil wir Gnade zum Leben empfangen haben, auch gnädig zueinander sein und heilende Worte miteinander reden. Sage nicht alles, was du denkst; überdenke aber alles, was du sagst. Warte auf den richtigen Zeitpunkt. Eine gute Nachricht in Eile findet selten offene Ohren. Zum Hören braucht es ebenfalls Zeit und die rechte innere Einstellung. Lass es bei allem, was du sagst, nie an der Liebe fehlen. Selbst harte Worte in Liebe gesprochen klingen lieblich und öffnen Herz und Ohren.

Jesus sehen und dann nichts mehr

Da sie aber ihre Augen aufhoben, sahen sie niemand als Jesus allein. Matthäus 17, 8

Als der Schwedische König ein Heim für blinde Kinder besuchte, stellte er die Frage, wen sie jetzt sehen möchten, wenn sie sehen könnten. „Den König“ erklang es aus begeisterten Kinderherzen. Nur ein Kind, es saß unmittelbar vor dem König, schwieg. Behutsam wandte er sich an dieses Kind. „Nun mein Kind, wen möchtest du denn gerne sehnen?“ „Ich möchte Jesus sehen“, war die Antwort. Etwas benommen fragte der König weiter: „Und dann?“ „Majestät“, sagte das Kind, „dann nichts mehr!“

Jesus sagte: Ich bin das Licht der Welt. Damit hat er zum Ausdruck gebracht, dass jeder Mensch Licht von Gott braucht, wenn er optimal in dieser Welt leben will. Geöffnete Augen bedeuten geistliches Verständnis über Gott zu haben. Ich denke an das blinde Kind. Mit geschlossenen Augen sieht man mehr, als andere auf Zehenspitzen. Schließen wir öfter mal unsere Augen und schauen Jesus ins Angesicht. Du wirst sehen, wie still es in dir wird und du beginnst zu hören, was er dir heute sagen will.

Versäumen wir das, müssen wir unsere Herkunft dem Zufall zuschreiben, den Sinn unseres Lebens im Konsum suchen und unser Dasein ganz auf das Diesseits beschränken. Dann wäre die Welt, in der wir leben, eine Welt ohne Hoffnung, ein alles fressender Fleischwolf, der nur das Stärkere überleben lässt.

Jesus sagt: Ich bin das Brot des Lebens. Es gibt kein Wort, dass eine so tröstende und sättigende Kraft hat wie die Worte, die Jesus sprach. Hör die Worte, die täglich gesprochen werden, oder lies die Bücher von Dichtern und Denkern oder geh in einen Zeitschriftladen. Mache einen Vergleich. Stelle das alles den Worten Jesu gegenüber und du wirst sehen, dass die einfachen Worte Jesu in der Bergpredigt jeden Versuch überragen, etwas Ebenbürtiges über die Lippen zu bringen. Lies dazu auch den 23. Psalm. Er hat nicht einmal hundert Worte und dennoch konnte er mehr Tränen trocknen und Hoffnung spenden, als irgendein Wort von Menschen erdacht.

Jesus sagt: Ich bin der gute Hirte. Gibt es einen besseren Vergleich, wenn es um Führung im Leben geht? Wie viele haben sich verirrt und sind am Leben verzweifelt, nur deshalb, weil es an Führung ermangelte. Es war niemand da, der ihnen hätte sagen können, was in entscheidenden Augenblicken getan werden sollte. So trafen sie lebenswichtige Entscheidungen nach Gutdünken und heute wundern sie sich, dass sie in eine Sackgasse geraten sind. Und jetzt diese wunderbaren Worte Jesus: Ich bin der gute Hirte. Welcher Mensch könnte so etwas sagen? Wer ist fähig, uns liebevoll an die Hand zu nehmen, um uns in entscheidenden Momenten raten zu können? Jesus kann es. Er ist alle Tage bei uns und möchte uns führen, wie einst das Volk Israel durch die Wüste geführt wurde.

Fragen wir die Jünger, sie waren mit Jesus auf dem Berg und er verklärte sich vor ihnen. Was wird uns berichtet? Da sie ihre Augen aufhoben, sahen sie niemand als Jesus allein. Das soll für uns heute die Antwort sein, damit wir mit dem blinden Kind sagen können: „Dann nichts mehr!“

So früh als möglich beginnen

Denke an deinen Schöpfer in deiner Jugend, ehe die bösen Tage kommen und die Jahre sich nahen, da du wirst sagen: Sie gefallen mir nicht. Prediger 12, 1

Eigentlich könnte man auch sagen: Fang früh an, dich auf das Älterwerden vorzubereiten, damit du am Ende nicht resignieren musst und sagst: „Die Tage des Restes meines Lebens gefallen mir nicht.“

Ich bin vielen alten Menschen begegnet, die vereinsamt oder verbittert irgendwo den Rest ihres Lebens verbringen. Niemand möchte mit ihnen etwas zu tun haben und sie selbst haben das Gefühl, sich selbst im Weg zu stehen. Nach dem Verständnis der Bibel ist das nicht der Wille Gottes. Da lesen wir: Und wenn sie auch alt werden, werden sie dennoch blühen, fruchtbar und frisch sein, dass sie verkündigen, wie der Herr es recht macht; er ist mein Fels. Psalm 92, 15-16.

Was ist der Grund von Einsamkeit, Verbitterung und Resignation? Viele Menschen bereiten sich nicht rechtzeitig auf das Älterwerden vor. Sie leben unbedacht in den Tag hinein, in der Hoffnung, dass schon alles gut werden wird. Eines Tages werden sie dann aus dem Berufsleben ausscheiden und Rentner sein und damit beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Ein neuer Rhythmus beginnt, auf den sie sich nicht vorbereitet haben.

Es gibt Dinge, auf die jeder achten sollte, wenn er bis ins Alter blühend, grünend und frisch wie ein Palmbaum sein will. Aus der Natur können wir darüber einiges lernen. Kein Baum trägt seine Blütenpracht nur, um prächtig aussehen zu wollen. Er verfolgt ein höheres Ziel. Der Tag wird kommen, wo seine ganze Pracht vergeht und er sich auf das Wesentliche besinnen muss. Alle seine Bemühungen hatten nur ein Ziel: Er möchte Frucht bringen. Zwar sieht er jetzt nicht mehr prächtig aus wie früher, dafür aber wird er nützlich sein und ist begehrenswert.

Bei vielen Menschen ist das anders. Sie möchten ewige Jugend und anstatt natürlich zu bleiben, klammern sie sich an eine Zeit, die schon längst vergangen ist. So wird jedes graue Haar mit Schrecken registriert und ausgezupft oder alles gefärbt. Jedes kleine Fältchen wird als ein Unglück betrachtet. So wird geschminkt, retuschiert und zugedeckt. Was nicht sein darf, das darf nicht sein! Ewige Jugend ist gefragt! Darum, dass man den Anschluss nicht verpassen möchte, wird jeder Gag ausprobiert und jede Mode mitgemacht. Die Wahrheit jedoch ist, dass man sich ständig selbst belügt.

Gott hat einen herrlichen Plan für jedes Leben. Jeder Tag soll dazu dienen, uns dem Ziel unseres Lebens näher zu bringen. Jeder ist unterwegs. Dazu soll das Leben eine Schule sein mit vielen Lektionen, die jeder verstehen und lernen sollte. Anstatt zu verdrängen, zu vergessen oder abzuhaken, sollten wir erkennen, was das Leben uns lehren will.

Um es einmal mit dem Baum zu sagen, sollte jede Art von Wetter dazu beitragen, uns reifen zu lassen wie eine Frucht. Nicht Blütenpracht ist gefragt, sondern reife Frucht mit Duft und edlem Aroma. Damit das geschehen kann, ist eine Vorbereitung auf das Altwerden unverzichtbar, damit sollten wir so früh als möglich beginnen.

Keine Furcht vor Gottes Gerechtigkeit

Ja, Herr, allmächtiger Gott, deine Gerichte sind wahrhaftig und gerecht. Offenbarung 16, 7

Was Gott sagt, ist richtig und seine Urteile sind gerecht, heißt es immer wieder in der Bibel. Wer die Geschichte der Menschheit kennt, weiß, dass auch der Mensch nicht anders denkt. Es gibt niemanden, der ungerecht behandelt werden möchte.

Die alten Römer erdachten sich für gerechtes Urteilen und Handeln sogar eine Göttin des Rechtswesens. Die Justitia. Ihre Darstellung wird auch heute noch als Wahrzeichen für Justiz verwendet. Justitia wird mit verbundenen Augen dargestellt, die in einer Hand eine Waage, in der anderen Hand das Richtschwert hält. Dies soll verdeutlichen, dass das Recht ohne Ansehen der Person (Augenbinde), nach sorgfältiger Abwägung der Sachlage (Waage) gesprochen und schließlich mit der nötigen Härte (Richtschwert) durchgesetzt wird.

Ich hielt eine Vortragsreihe über den Glauben. Jeden Abend erschienen sechs junge Menschen. Einige trugen einen Irokesen-Haarschnitt oder sie hatten sich Hieroglyphen auf ihre Stiefel gemalt. Sie sahen verwegen aus. Am letzten Abend fragte ich, wer sich mit Gott versöhnen lassen möchte. Alle kamen nach vorne, ebenso auch ein Geschäftsmann. Sie hatten meine Botschaft verstanden und wollten Jesus als ihren Herrn annehmen.

Der Geschäftsmann war Manager einer großen Waschmittelfabrik. Er hatte von diesen Vorträgen gehört, hatte aber gerade geschäftlich in Kopenhagen zu tun. So kam er jeden Abend mit dem Flugzeug angereist. So unterschiedlich sie auch waren, Gott hatte sie angenommen und betrachtete sie von nun an als seine Kinder. Gottes Gerechtigkeit zeigt sich darin, dass es vor ihm kein Ansehen der Person gibt, alle haben die gleiche Chance und werden gleich behandelt. Gerechtigkeit zeigt sich auch darin, dass Gott jedem nach dem Gesetz von Saat und Ernte seinen Lohn geben wird. Niemand soll umsonst gelebt und gewirkt haben. Danach gibt es nicht nur eine Auferstehung der Toten, sondern auch der Taten. Im Unterschied zur Gerechtigkeit Gottes, kennt die Justitia keine Gnade. Hat jemand Unheil gesät, wird er Unheil ernten müssen, das verlangt das Gesetz.

Während einer Bahnfahrt mussten alle Fahrgäste bei einer Kontrolle ihre Fahrausweise vorlegen. Neben mir saß ein Student. Er hatte einen unzureichenden Fahrausweis und sollte einen Fehlbetrag entrichten. Der Kontrolleur verlangte den Betrag mit allem Nachdruck, aber er hatte kein Geld bei sich. Jetzt war eine Anzeige geplant und beim nächsten Halt sollte er den Zug verlassen. Die Situation war äußerst peinlich, weil noch andere Fahrgäste mit im Abteil saßen. Der Student tat mir leid. Schnell zückte ich meine Geldbörse und bezahlte den fehlenden Betrag und schon konnte er seine Fahrt ungehindert fortsetzen. Was war geschehen? Jemand hatte für ihn bezahlt. Die Bibel nennt das Gnade vor Gerechtigkeit. Jeder darf frei ausgehen, wenn er sich auf Jesus beruft. Er hat für uns bezahlt, egal was wir getan haben. Das ist die Botschaft des Evangeliums.

Vielleicht hast du mit Asaph, dem resignierenden Psalmdichter, bereits gesagt: Soll es denn umsonst gewesen sein, dass ich Gott diene und von niemandem ein Dankeschön dafür bekomme? Wo bleibt die gerechte Behandlung? Sei unbesorgt: Der Gott, der selbst ein dargereichtes Glas Wasser vergelten wird, weil er gerecht ist, der wird auch dir ein reicher Vergelter sein. Ein gebührendes Dankeschön wartet auf dich.

Fliegen lernen wir im freien Fall

Wie ein Adler ausführt seine Jungen und über ihnen schwebt, so breitete er seine Fittiche aus und nahm ihn und trug ihn auf seinen Flügeln. 5.Mose 32, 11

Nicht nur, dass Gott uns mit einem jungen Adler vergleicht, er fängt uns auf und trägt uns auf seinen Flügeln. Es gibt weitere Bibelstellen, die das Bild ergänzen wollen. So lesen wir, dass er uns zu sich bringen will, wie ein Adler seine Jungen ins Nest zurück bringt. 2.Mos. 19, 4. Woanders wird gesagt, dass wir neue Kraft bekommen sollen, damit wir auffahren können mit Flügeln, wie Adler. Jes. 40,31.

Mit diesen Vergleichen gibt uns die Schrift ein herrliches Bild der Liebe Gottes und seiner Fürsorge für uns, wie es kaum zu übertreffen ist. Heute wollen wir einige Details etwas näher betrachten und uns über unsere Berufung freuen. Zunächst dürfen wir uns freuen, dass wir mit einem Adler verglichen werden und nicht mit einem Sperling. Im Reich der Vögel gilt der Adler als der König unter den Vögeln. Gott nahm nicht den Sperling als Vergleich, weil dieser den ganzen Tag von der Dachrinne zur Straße herabschaut, um etwas Fressbares zu finden und damit sein ganzes Leben verbringen muss. Er hat auch nicht die Fledermaus genommen, die in dunklen Höhlen wohnt und nur aktiv ist, wenn es Nacht wird.

Er nimmt den Adler, um dir zu sagen, wie hoch er dich einschätzt und was er mit dir zu tun gedenkt. Der Adler wurde zu allen Zeiten gerne als Wappentier genommen. Könige schmückten sich mit ihm. Er ist das Bild für Kraft und Würde. Das hat Gott gemeint, wenn er uns mit einem Adler vergleicht. Du bist sein „Wappentier“, der Schmuck seiner Majestät. In seinem Glanz dürfen wir erstrahlen und unser Leben auf ein hohes Niveau stellen. Nicht umsonst sagt Jesus, dass wir das Licht der Welt sind.

In der Regel wohnt der Adler hoch auf den Klippen der Felsen. Gott hat ihn nicht für das Tal erschaffen, damit er scharren soll, wie ein Huhn, sondern für einen Platz hoch über den steilen Höhen. Von dort aus darf er seine Beute erspähen und sich im weiten Flug in die höchsten Höhen emporheben, als flöge er der Sonne entgegen. Sein Luftraum soll ohne Grenzen sein und das weiß er zu nutzen. Und nun das Unfassbare: Gott hat uns einen Geist gegeben, der dem Adler gleicht. Dieser Geist möchte uns ein Denken in neuen Dimensionen schenken. So dürfen wir mit Perspektiven leben, von denen andere nur träumen. Wir dürfen unseren Blick unverzagt auf die Zukunft richten. Vor uns liegt ein herrlicher Morgen, ein zukünftiges Leben in der Welt Gottes. Dabei sehen wir unseren Alltag aus einer ganz anderen Perspektive, nicht wie ein Wurm, der auf dem Boden kriecht und Erde frisst. Der Text sagt, dass der Adler seine Jungen das Fliegen lehrt, damit auch sie das Nest verlassen, um sich an die unbegrenzten Weiten zu gewöhnen. Deshalb werden sie eines Tages aus dem Nest gedrängt. Nur so geschehen die ersten Flugversuche, wobei der Adler über ihnen schwebt und sie bewacht. Versagt ihnen die Kraft, fliegt er unter sie und fängt sie wieder auf und trägt sie auf seinen Flügeln zurück in den Horst. Das wiederholt er solange, bis seine Jungen sicher fliegen können.

Vielleicht fühlst du dich heute wie aus dem Nest geworfen. Man hat dir deine Sicherheiten genommen und du befindest dich im freien Fall. Schau nach oben und sieh die Adlermutter. Sie wacht über dir und wird dich sicher auffangen und dir wieder festen Boden unter deine Füße geben – bis zum nächsten Mal! Schließlich soll aus dir ein Mensch des Glaubens werden, der neue Perspektiven entdeckt und Gott noch effektiver zu dienen vermag. Wenn du damit einverstanden bist, dann habe keine Furcht vor dem freien Fall.

Zum Donner gehört ein Blitz

Da sprach das Volk, das dabeistand und zuhörte: Es hat gedonnert. Die andern sprachen: Ein Engel hat mit ihm geredet. Jesus antwortete und sprach: Diese Stimme ist nicht um meinetwillen geschehen, sondern um euretwillen. Johannes 12, 29-30

Jesus wurde vom Volk und den Geistlichen stets kritisch beurteilt. Es gab viele Fragen um seine Person: Wer ist dieser, der Zeichen und Wunder vollbringt und den Geistlichen ungeschminkt die Wahrheit sagt? Wer gibt ihm das Recht, mit einer Geißel die Händler aus dem Tempel zu treiben? Ist er der Messias, dann soll er es uns frei heraussagen, aber so verweist er immer wieder auf die Wunder, die er vollbringt und sagt, dass diese für sich selbst sprächen. Unser Text berichtet, dass Jesus hier öffentlich betete: Vater verherrliche deinen Namen. Spontan antwortete Gott vom Himmel, und sagte laut und deutlich: Ich habe ihn verherrlicht und will ihn abermals verherrlichen. Hier gab Gott selbst Zeugnis davon, dass dieser Jesus Gottes Sohn ist und damit der Messias, auf den sie alle bereits Hunderte von Jahren gewartet hatten. Offenbar nützte auch das nichts, denn sie sagten: „Es hat gedonnert.“ Kann man sich eine solche Reaktion vorstellen? „Zum Donner gehört ein Blitz“ weiterlesen

Verlorener Edelstein gefunden

Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst? Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott, mit Ehre und Herrlichkeit hast du ihn gekrönt. Du hast ihn zum Herrn gemacht über deiner Hände Werk, alles hast du unter seine Füße getan. Psalm 8,5-7

Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde und beschenkte ihn mit Geist und Verstand. Damit ist jeder ein Edelstein.

Aus der Bibel erfahren wir, dass der Hohepriester ein Brustschild mit zwölf Edelsteinen auf seinem Herzen trug, wenn er vor Gott erscheinen sollte. 2. Mos. 28, 17-20. Die Tragik heute ist nur, dass sie alle aus der Fassung gefallen sind und irgendwo im Schmutz liegen und zertrampelt werden. Eine Bekannte hatte sich einen Ring erworben mit einem wunderschönen Smaragd. Stolz zeigte sie mir ihr Prachtstück. „Gefällt er dir?“ fragte sie. Da ich mich ein wenig in dieser Thematik auskannte, sagte ich, dass er mit Sicherheit aus den Bergen Brasiliens oder Kolumbiens stamme, denn dort werden solche Schönheiten gefunden. Doch ihre Freude war nur von kurzer Dauer. Einige Wochen später zeigte sie mir erneut ihren Ring. In der Mitte gähnte ein tiefes Loch. „Da, schau, ich habe meinen Smaragd verloren. Den ganzen Tag habe ich vergeblich nach ihm gesucht. Irgendwo auf der Straße oder unter Abfällen oder sonst wo liegt er nun.“ Gabi war so ein verlorener Edelstein. Als ich sie sah, war ich erschrocken. Ungepflegt war sie. Ihre Haare waren zerzaust und der Blick mit Hass erfüllt. Obwohl erst 19, hatte das Leben bei ihr tiefe Spuren hinterlassen. – „Ich habe ein Kind im Bauch, und das will ich nicht“, sagte sie mit einem Unterton von Resignation. „Kannst du mir raten, wie ich vorgehen soll?“ „Gabi“ sagte ich, „erzähle mir, wie alles begann. Vielleicht kann ich dir dann einen Rat geben.“ „Meine Familie ist gottlos. Der Alkohol hat meinen Vater im Griff und ständig gibt es Streit. Ich war noch klein, als sich mein Großvater an mir verging, dann kam auch mein Vater. Inzwischen gab es viele Männer, die mich missbrauchten. Ich weiß nicht einmal, von wem ich das Kind habe.“

„Gabi“, sagte ich. „Deine Seele muss tief verletzt sein und dein Hass auf Männer grenzenlos.“ Sie nickte, während sie auf den Boden starrte. „Warum willst du dich jetzt am schwächsten Glied rächen und zu allem auch noch einen Mord begehen? Dieses Kind ist doch unschuldig. Wie wäre es, wenn du einen Schlussstrich ziehst, um noch einmal ganz von vorne anzufangen?“ Sie schaute mich an. „Und wie stellst du dir das vor?“ fragte sie ungläubig. „Gabi, vor dir sitzt ein Mann, der an Gott glaubt. Der Herr schaut vom Himmel auf dich, dass er sehe, ob du einsichtig bist und nach Gott zu fragen beginnst. Er möchte deine wunde Seele heilen und eine glückliche Mutter aus dir machen. Bitte ihn um Hilfe.“ „Ist das alles?“ fragte sie ungläubig. „Ja, das ist alles, den Rest tut Gott an dir.“ Gabi willigte ein und wir knieten nieder und sie betete zum ersten Mal in ihrem Leben. Dabei fing sie bitterlich an zu weinen. Nach einer Weile erhob sie sich mit den Worten: „Das war der erste Schritt in die richtige Richtung.“

Einige Monate später traf ich sie in der Stadt mit einem Kinderwagen. „Gabi“, sagte ich, „Du bist Mutter geworden! Wie willst du dein Kind erziehen?“ „Ganz anders,“ sagte sie mit froher Stimme. „Ich werde Gott vertrauen, dass er mir hilft, dem Kind eine gute Mutter sein zu können.“ Ein verlorener Edelstein erhielt seinen Wert zurück.

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