Hans Graf von Lehndorff

Trotz dunkler Wolken am Himmel, fand der Gottesdienst auch heute wieder im Pfarrgarten statt. Vorsichtshalber hatte ich den Schirm mitgenommen, aber glücklicherweise nicht gebraucht.  Es tut gut unter freiem Himmel Gottes Wort zu hören und Gemeinschaft zu haben. Seit dem ersten Gottesdienst auf dem Kirchvorplatz an Himmelfahrt, geniesse ich diese Versammlungen in der Natur. Unnatürlich ist für mich aber immer noch, dass man zum Einlass in den Pfarrgarten in eine Liste eingetragen wird und sich die Hände desinfizieren  muss. An das Abstandhalten und  dasTragen einer Maske hat man sich ja schon gewöhnt. Zum Glück kann man die Maske abnehmen, wenn man seinen Platz gefunden hat.  Die Stühle sind dankenswerterweise schon platziert.

Der Predigttext aus Römer Römer 12,17-21 war für mich nicht neu. War doch der letzte Vers die Jahreslosung für 2011.  In der Predigt fehlte auch nicht der Bezug auf unsere derzeitige Situation im Umgang mit Corona. Selbst an die kursierenden Verschwörungstheorien und die Machtlosigkeit einiger Politiker wurde ich dadurch erinnert. Bemerkenswert fand ich die Anregung, den Begriff des Bösen im Vers 21 durch das Wort „Angst“ zu ersetzen. JA, es erfordert oft Mut, sich „dem Bösen“ entgegen zu stellen und „das Böse“ zu überwinden.

Etwas peinlich verlief die Bekanntgabe der Erlaubnis wieder Singen zu dürfen.
Singen ja,  aber nur mit Maske! Nun, einige mit lauter Stimme waren zu hören …
Weil ich das erste Lied noch nie gesungen hatte, las ich den Text (ohne Maske) etwas genauer durch als sonst beim Singen. Und weil mich der Text (von 1968) sehr beeindruckt hatte, schaute ich daheim nach wer ihn dichtete.

Hans Graf von Lehndorff (1910-1987) war kein Theologe. Aber er war bekennender Christ. Er hatte „das Böse“ bis zum Äussersten kennen gelernt – und mit Gutem überwunden. Als ich seine kurze Lebensbeschreibung in Wikipedia las, verstand ich das Gedicht, das erst 1982 von Manfred Schlenker vertont wurde, viel besser. Es hat mich veranlasst, es hier und in Human Connection zu zitieren, weil es uns beim „Überwinden“ der Corona-Krise helfen kann. Und – wer schaut denn noch ins Gesangbuch ?

1. Komm in unsre stolze Welt, Herr, mit deiner Liebe Werben. Überwinde Macht und Geld, lass die Völker nicht verderben. Wende Hass und Feindessinn auf den Weg des Friedens hin.

2. Komm in unser reiches Land, der du Arme liebst und Schwache, dass von Geiz und Unverstand unser Menschenherz erwache. Schaff aus unserm Überfluss Rettung dem, der hungern muss.

3. Komm in unsre laute Stadt, Herr, mit deines Schweigens Mitte, dass, wer keinen Mut mehr hat, sich von dir die Kraft erbitte für den Weg durch Lärm und Streit hin zu deiner Ewigkeit.

4. Komm in unser festes Haus, der du nackt und ungeborgen. Mach ein leichtes Zelt daraus, das uns deckt kaum bis zum Morgen; denn wer sicher wohnt, vergisst, dass er auf dem Weg noch ist.

5. Komm in unser dunkles Herz, Herr, mit deines Lichtes Fülle; dass nicht Neid, Angst, Not und Schmerz deine Wahrheit uns verhülle, die auch noch in tiefer Nacht Menschenleben herrlich macht.